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http://goldticaret.goldenfoxs.com/declare/kupit-morfiy-kopeysk.html 20.06.2018: Der Sparwasser-Effekt

Na?! Sind Sie auch gerade Bundestrainer? Bestimmt, schließlich ist doch gerade Fußball-WM in Russland und Deutschland hat vor einigen Tagen sein erstes Gruppenspiel vergeigt. Kein Wunder, dass die allgemeine Stimmung von der ursprünglichen Euphorie namens "Titelverteidigenwollen" wie ein ungebremster Lift in den tiefsten Kellerschacht namens "Vorrundenausscheidengefahr" gerauscht ist. Nun ist es mit ungebremsten Aufzügen so, dass während des Sturzes ja eigentlich noch nix passiert; entscheidend - und meistens definitiv - ist der Aufprall. Dort sind wir noch gar nicht, aber die unüberhörbare Hackerei, Stänkerei und die sowieso dauerobligate "Wir-wissen-eh-alles-besser-als-der-Jogi" lassen vermuten, dass sich unter den Insassen des oben genannten vertikalen Beförderungsmittels allmählich Panik ausbreitet. In einfacher Sprache ausgedrückt: Die Kacke ist mächtig am Dampfen.
Warum eigentlich regen wir uns so auf? Gut, ich gebe zu, auch ich war bedient nach der Pleite gegen spielstarke, pfeilschnelle und siegeshungrige Mexikaner; die erste WM-Auftaktniederlage seit Spanien 1982; und zu alledem auch noch absolut verdient. Man muss kein Taktikexperte sein, um erkannt zu haben, dass sowohl Aufstellung als auch Einstellung dem dampfenden Verdauungsendprodukt "siehe oben" entsprachen. Und die anschließenden, gegenseitigen Schuldzuweisungen der Akteure nehmen ein Ausmaß an, dass die politischen Hauptdarsteller des Koalitionsstreits in Sachen Migration vor Neid erblassen (bei der Gelegenheit: es ist erstaunlich, dass mehr Menschen Anstoß nehmen an der Leistung der Nationalelf als an den Verbaleskapaden einiger Mitglieder der in Bayern sehr beliebten, sogenannten Schwesterpartei). 
Zurück zur Frage: Warum regen wir uns eigentlich auf? Im schlimmsten Fall reisen die deutschen Kicker nach der Vorrunde wieder ab und unsere niederländischen Nachbarn sprechen uns ihr Beileid aus (nachdem sie sich die Tränen aus den Augen gewischt haben nach tagelangem, am Boden liegenden Lachen); und die ganze Fußballwelt bleibt verschont vom unseligen "Sieg! Sieg! Sieg!"-Skandieren der sogenannten deutschen Fans.
Vielleicht tritt aber auch der Sparwasser-Effekt ein. Sie erinnern sich? Hamburg, Juni 1974 (ausgerechnet Hamburg...), Fußball-WM, die Bundesrepublik Deutschland spielt gegen die deutsche demokratische Republik und verliert 0:1 durch das Tor von Jürgen Sparwasser. Vielleicht hat der ehemalige Spieler (der übrigens vor gut zwei Wochen seinen 70. Geburtstag feierte - Herzlichen Glückwunsch!) des 1.FC Magdeburg mit diesem einen Tor die westdeutsche Mannschaft dermaßen wachgerüttelt, dass sie am Ende überhaupt dadurch erst zum Weltmeistertitel gelangt sind - auch damals hat die deutsche Elf glänzend zunächst mit pomadig verwechselt. 
Machen wir uns nichts vor: Alle sind heiß darauf, den Weltmeister zu schlagen. Dass nicht nur unter dieser Voraussetzung eine erhebliche Leistungs- und Bereitschaftssteigerung der "Mannschaft" für eine Titelverteidigung dringend notwendig ist, sollte jedem halbwegs fußballaffinen Wesen klar sein. Wenn die aber tatsächlich eintreten, könnte sogar noch der Gruppensieg und sogar der Titel drin sein - dann hätte das Tor vom Mexikaner Lozano wahrscheinlich ähnlich heilsame Wirkung wie einst der Sparwassertreffer.
Und wenn nicht? Dann gewinnt entweder England im Elfmeterschießen, oder Portugal mit ausschließlichen Ronaldo-Toren, oder Island mit Huh! Huh! Huh! Und Deutschland gewinnt die demütige Erkenntnis, dass mit Slogans und Pomade allein kein Titel zu wiederholen ist. Und demütige Deutsche - das wäre doch auch mal was ganz Neues, nicht nur im Fußball... 

 

Сегежа купить закладку Гашиш [AB] 16.05.2018: Eine verfahrene Situation

Noch brühwarm ist die Nachricht, die mir heute zwischen die Ohren gekommen ist und die möglicherweise ein brisantes gesellschaftliches Problem für die nächsten Jahre darstellt. Nein, es geht mir nicht um das fragwürdige Fotoshooting zweier deutscher Nationalspieler mit einem möglicherweise menschenrechtsmissachtendem, aus Persönlichkeitsschutzgründen aber nicht namentlich genannten türkischen Politiker.
Es geht um die Mitteilung des Kraftfahrtbundesamtes, dass immer weniger junge FahrschülerInnen ihre Fahrprüfung beim ersten Mal bestehen, und zwar sowohl theoretisch als auch praktisch. Das ist schlimm. Vor allem, wenn man sich das Fahrverhalten derer anschaut, die die Fahrprüfung irgendwann einmal bestanden haben müssen: Da wird lichtgehupt, gecruist, zu schnell, zu langsam oder/und besoffen gefahren, Vorfahrt missachtet und beim Fahren ein Selfie gemacht - und das sind die, die bestanden haben! Wie sollen denn dann erst die rumgurken, die nicht bestanden - ach so, stimmt ja: die dürfen nicht. Noch nicht: Führerscheinprüfungen darf man ja beliebig oft wiederholen, solange der Geldbeutel (von Mama und Papa?!) für die nötigen Gebühren ausreichend bestückt ist.
Die Experten suchen verzweifelt nach Gründen für die Entwicklung, dass im Durchschnitt nahezu 35 % der jungen Fahranfangaspiranten den Traum vom selbständigen Fahren zunächst einmal verschieben muss, weil - Prüfung, ne?! Da die Wissenschaft sich darüber noch nicht einig ist, präsentiere ich hier und nun einige Interpretationen meinerseits:
     1. Einige mutmaßen, dass ein Aspekt der hohen Durchfallquote dem recht hohen Anteil an Migranten geschuldet ist, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind; ob das stimmt, ist mehr als zweifelhaft. Ich jedenfalls erlebe durchaus rüpelhaftes Autofahrverhalten sowohl bei ausländischen als auch bei deutschstämmigen Mitbürgern, die bruchstückhaft der deutschen Sprache, des Tunings und der Rücksichtslosigkeit mächtig sind. Ein ethnischer Zusammenhang scheint mir also eher ausgeschlossen - zumal es Prüfungsfragebögen in verschiedenen Sprachen gibt. Anders ausgedrückt: Schiebt gefälligst nicht immer gleich alles auf die angeblich nicht integrationswilligen Migranten!
     2. Manche munkeln, dass die jungen Menschen von heute zwar digital native, aber ansonsten reality naiv sind; klarer ausgedrückt: Sie wissen, welche Apps und communities gerade auf ihrem Smartphone in Armlängenentfernung aktiv sind, aber für ihre mittelbare Umgebung haben sie keine Wahrnehmung mehr. Kommunikation ist nur noch digital möglich und Realität geht nur virtuell. Verkehr würde sie heillos überfordern... hoffen wir, dass sich dieses Überforderungsempfinden nur auf den Straßenverkehr auswirkt, ansonsten kriegt meine Generation auch noch ein ernstes Rentenversorgungsproblem.
     3. Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen Führerscheinprüfungsversagen und Nicht-Radfahren-können. Diese Vermutung deckt sich mit meiner Beobachtung: Wenn ich sehe, wie viele Schülerinnen weiterführender Schulen täglich von ihren Eltern fast schon in die Schule gefahren werden, damit die Verhätschelten auch nur ja keinen Schritt zu viel gehen müssen, und dass diese Heranwachsenden sich folglich den Herausforderungen des täglichen Straßenverkehrs nicht einmal als fußgehende oder gar fahrradfahrende Wesen stellen müssen, muss man sich über das Versagen bei, zumindest praktischen, Führerscheinprüfungen nicht wirklich wundern. Was ich als Kind erlebe, kann ich später gut in andere alltägliche Herausforderungen transferieren. Was ich nicht erlebe, bereitet mir später unglaubliche Schwierigkeiten. 
Also, Eltern: Verhätschelt Eure Kinder und Jugendlichen nicht! Der Schulweg wird nicht zuletzt wegen mangelnder Selbsterfahrung in dieser Umgebung so gefährlich. Lasst sie den immer gefährlicher werdenden Schulweg, den urban jungle, per Bus, Fahrrad und Pedes erfahren. Das hat viele Vorteile: Ihr habt weniger Stress, Eure Kinder lernen was für's Leben, die Durchfallquote bei der Führerscheinprüfung wird vielleicht sinken und nebenbei steigen auch wieder Realitätssinn und Frustrationstoleranz -
- aber das, liebe Lesenden, sind nochmal ganz andere Themen!

 

follow url 19.04.2018: Nicht mein Kollege!

Seit einigen Tagen sind die Preise für die kommerziell erfolgreichsten Musiker 2017 vergeben. Seit ich diese Preisverleihung verfolge, ist noch nie im Umfeld des "Echo" soviel diskutiert und Betroffenheit bekundet worden. Der Grund für diese Reaktionen ist nichts anderes als Antisemitismus! Wer hier von Kunstfreiheit redet, hat nicht verstanden, dass es hier in erster Linie um Kommerz geht - und für kommerziellen Erfolg ist leider nur zu oft jedes Mittel recht! 
Es geht hier vielleicht am ganz rechten Rande um Kunstfreiheit. Offen zur Schau getragene Verachtung und Verhöhnung ist zumindest mit meinem Kunstverständnis nicht vereinbar. Kunst und Musik können Brücken bauen - Farid Bang und Kollegah wollen dies ganz offenbar nicht. Das ist schade und erschreckend! Standen vor Jahren noch Bands vom extrem linken und extrem rechten Rand auf dem sogenannten Index, so fand die Kunstform Gangsta-Rap eine Hintertür. Warum eigentlich? Weil die Welt von heute zu bequem geworden ist? Weil Unzufriedenheit mehr Zuspruch findet als konstruktives Denken? Oder einfach, weil man bodygestählten, eingeölten Jungs, die fette Beats produzieren, jeden Scheiß verzeiht - weil sie ja eigentlich nur spielen wollen?
Es ist höchste Zeit - und ich bin allen Künstlerinnen und Künstlern, die Ihren Echo aus Protest (oder aus Medienwirksamkeit) zurückgegeben haben, sehr dankbar - dass wir wieder lernen zu denken, und zwar kritisch. Vor lauter Übersättigung an Information (und Events) konsumieren wir nur noch, meistens ohne diese Information in einem historischen und/oder ethischen Kontext zu beleuchten. Wir laufen vielmehr Gefahr, durch die ständige Abrufbarkeit von Information unser Wissen und Erinnern verwahrlosen zu lassen. 
Das wäre fatal! Eine Gesellschaft, die nicht aus den Fehlern ihrer Vergangenheit lernt, sondern diese vielmehr zu ignorieren und leugnen beginnt, wird diese Fehler bei nächster Gelegenheit wiederholen. 
Dazu gehört, dass die Zielgruppe derjenigen, die das alles "ja-ey-gar-nisch-so-gemeint-haben-höchstens-fahrlässig-waren", durch Eltern und Lehrer aufgeklärt werden, welche üblen Diskriminierungen sie da eigentlich liken - in der Hoffnung, dass die daraus resultierende Betroffenheit Denkprozesse loslöst. 
Höchste Zeit - lachen kann man nicht darüber!

 

Сухой Лог купить Альфа 22.03.2018: Gutes Netzwerk, schlechtes Netzwerk

Wie schnell sich die Wahrnehmung in einer Gesellschaft für bestimmte Infrastrukturen doch ändert. Gestern Hopp (nein, nicht der von SAP), morgen Flopp und umgekehrt.
Da wäre zum ersten die Deutsche Bahn AG zu nennen: Immer wieder beliebte Zielscheibe für Spott und Häme, mausert sich das einstige Staatsunternehmen (das sich immer noch zu 100% im Eigentum des Bundes befindet) jedoch in den letzten Monaten geradezu zu einem Mustermodell in Sachen Ökologie, Management und Logistik. Daran mag ein gewisser Richard Lutz nicht unschuldig sein, seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender beim genannten Transportunternehmen. Sprecher der über dreihunderttausend Beschäftigten attestieren dem Sprössling einer Eisenbahnerfamilie (es liegt ihm offenbar im Blut...) einen guten Führungsstil, zudem strebt er die Halbierung des CO2-Ausstoßes der Züge bis 2030 an. Richtig unheimlich wird diese Imageaufwertung der Bahn, wenn man dann noch den Fahrgastverband "pro Bahn" anhört: Sogar dort äußert man sich verhalten positiv über den seit einem Jahr amtierenden Bahnchef - er dürfte damit der erste sein, der vom eher kritischen Verband Lob erhält. Scheinbar verfügt der Mann sowohl über gute Kenntnisse der Materie (als Sohn eines Eisenbahners und einer Sekretärin bei der Bahn nicht unbedingt abwegig), als auch über gute bis sehr gute Fähigkeiten in puncto Kommunikation.
Das Stichwort Kommunikation bringt mich zu meinem Lieblingssozialnetzwerk "Facebook". Tatsächlich scheint es dort ein Leck gegeben zu haben, von wo aus die Daten von ca. 50 Millionen Nutzern an eine obskure Analysefirma geflossen sind. 50 Millionen - das ist eine fünf mit sieben Nullen; mehr Nullen gibt es höchstens aktuell bei meinem Lieblingsverein... Egal! Jene Firma soll diese Daten zugunsten des Wahlkampfs eines politischen Quereinsteigers genutzt haben, der aktuell der Präsident der sogenannten vereinigten Staaten von NRA - nein, Entschuldigung: Amerika - ist. Das wäre natürlich höchst fatal, dass ein börsennotiertes Wirtschaftsunternehmen, ein Global Player, ungewollt einen derartigen Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen würde! Bislang nehmen die globalen Wirtschaftsimperien ja eher gewollt Einfluss auf die Politik, Spielverderber nennen das Lobbyismus, aber das nur am Rande. Hätten Sie gedacht, dass Facebook den Datenschutz nicht so genau nimmt?! Echt?! Ja, verdammt. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern: Zwar dürfen bestimmte Apps, von denen ich keine Ahnung habe, die Daten der Freunde des Nutzers nicht mehr ausspähen, aber trotzdem bleiben Daten und Werbung bei Facebook untrennbar miteinander verbunden. Trotzdem: Facebook ist nicht per se böse (schließlich haben soziale Netzwerke wie Facebook gesellschaftliche Umwälzungsprozesse wie den arabischen Frühling erst möglich gemacht - wenngleich dessen positive Auswirkungen noch sehnlichst und wahrscheinlich sehr lange auf sich warten lassen); nur soll bitte in Zukunft keiner sagen, er hätte nicht gewusst, dass der allzu sorglose Umgang mit den eigenen Daten auch Risiken bergen könnte (der folgende Vergleich mit einer völlig anderen Materie hinkt, aber: in Sachen Ernährung hätte man auch vor Jahren schon darauf kommen können, das Nikotin oder zu viel Zucker nicht gerade gesundheitsförderlich sind...). 
Bleibt am Ende eine Frage: Wenn ich jetzt bei Facebook bin und dort eine Fahrkarte für die Bahn buche - gleicht sich das dann für mein Gewissen aus...?!

10.02.2018: Wir müssen leider (?) draußen bleiben...
... das steht nicht etwa als Hinweis für Hunde an der Eingangstür meines Lieblingsfleischers (dort natürlich auch), nein: Dies ist die Haltung eines aktuell recht erfolgreichen Fußballvereins aus Hessen gegenüber einer Partei, deren Mitglieder möglicherweise rassistische Gedanken hegen.
Im Klartext: Der Präsident der SG Eintracht Frankfurt hat zwei Anträge auf Mitgliedschaft ablehnen lassen, weil die Antragsteller AfD-Mitglieder sind. Spitzzüngig könnte man zusammenfassen: Eintracht gegen Niedertracht; oder auch - wenn man sich die aktuelle Mannschaftsaufstellung der SGE anschaut - Vielfalt gegen Einfalt. Ob die Entscheidung korrekt ist oder nicht, sie verdient zumindest Beachtung. Hier positioniert sich einer gegen eine immer mehr um sich greifende gesellschaftliche Schieflage nach rechts; ob er das Kraft seiner Präsidentschaft überhaupt darf oder nicht, sei mal dahingestellt. Mich beeindruckt dieser Schritt, umso mehr, als dass mir einige Fans der Frankfurter Eintracht in den letzten Jahren durchaus gewaltbereit vorkamen - man erinnere sich nur an den unheilvollen Platzsturm beim letzten Abstieg aus dem Fußballoberhaus 2011; was da auf den Platz stürmte, hatte mit friedlichen Fußballanhängern nicht zu tun. In mir wuselte immer ein Verdacht, dass jene prügelnden und zündelnden Chaoten vielleicht auch gewaltbereit sein könnten. Nun ist es natürlich ein klares Vorurteil meinerseits, dass Gewaltbereitschaft und Rechtsradikalität in irgendeinem Zusammenhang stehen könnten; vor allem in Hessen, wo es doch keine Rechtsextremen gibt... 
Nun also das! Peter Fischer verweigert AfD-Mitgliedern die Mitgliedschaft bei seiner Eintracht. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass der Fußball eine einmalige Chance auf Vereinigung und Verbindung jener Gesellschaftsstrukturen bietet, die sonst nie miteinander in Kontakt kämen. Fußball verbindet - allerdings bleibt die Frage, ob man das um jeden Preis will. Bei aller Toleranz gegenüber einem Menschen, der sich dem Parteiprogramm der AfD hingezogen fühlt: Bisher hat man nahezu ausnahmslos den Eindruck gewinnen müssen, dass diese Partei jedweden Auftritt in der Öffentlichkeit für die Verbreitung ihrer fragwürdigen Thesen und Ideologien benutzt hat ("benutzt" im miesesten Sinne des Wortes). Auch wenn nicht jede/r AfD-Sympathisant/in rassistisch oder extremkonservativ denkt, ist es doch zumindest verwunderlich, dass die Gesellschaft von eben diesen gemäßigten AfD-lern nie etwas zu hören oder zu sehen bekommt; da muss man sich ja schon fast die Frage stellen, ob sie in dieser Partei und deren Umfeld eine Art Yeti-Dasein fristen (den Yeti soll es ja auch geben, nur den Beweis seiner Existenz hat noch niemand erbracht aber-wen-interessiert-dieses-Detail-in-postfaktischen-Zeiten?). 
Nun hat also ein Fußballvereinspräsident mit Ausgrenzung reagiert - auf zwei Mitglieder einer ausgrenzenden Partei. Nun, rechtes Gedankengut mit Hilfe eines bloßen Beitrittsverbot auszumerzen, wird nicht funktionieren. Ich persönlich glaube auch nicht, dass man rechtskonservatives Denken per se verbieten darf: Dass die Gedanken frei sind, ist zwar meiner Meinung eher liberal-pluralistisch denn reaktionär, aber auch zutiefst konservativistische Gedanken haben eine Berechtigung, solange sie nicht im Widerspruch zum Grundgesetz und den Grundrechten stehen. Sie werden erst dann zu einem Problem, wenn sie allen anderen, eigentlich freien, Gedanken ihre braune Kapuze überziehen wollen. Genau hier liegt der angeschossene Hase im braunen Pfeffer: Bestimmte Politiker wollen ihre Ideen mithilfe von Ängsten und Hass durchsetzen (wahrscheinlich, weil sie wissen, dass ihre Ideen ansonsten kaum auf offene Ohren stoßen). Dies ist  kein Argumentieren, sondern bloßes Agitieren - ein Verhalten, welches man in erster Linie aus populistischen Parteien und ihrem Umfeld kennt. Wenn Herr Fischer einer weiteren gesellschaftlichen Verunsicherung entgegenwirken wollte, dann hat er mit seinem medial wirksamen Statement vor allem eines bewiesen: Zivilcourage! Dass aus diesem Statement vielleicht eine neue Diskussion aufflammt, ist unserer durch GroKo-Verhandlungen politisch nahezu paralysierten Gesellschaft eigentlich nur zu wünschen.
Und schließlich und endlich: Vielleicht ist es für AfD-Mitglieder höchst interessant, am eigenen Leib zu erfahren, wie es sich anfühlt, nicht willkommen zu sein. Da bleibt zu hoffen, dass sie die Entscheidung nicht für ihre "Wir-sind-ja-so-arme-Opfer"-Masche ausschlachtet, oder, falls sie es doch tut, dass immer mehr Menschen in diesem Land diese Masche durchschauen; Fußball erfreut sich ja durchaus einer großen Beliebtheit und Aufmerksamkeit... 
 

03.01.2018: Ich hab auch einen, und der ist viel größer

Ist das nicht eine nette Begrüßung zum neuen Jahr?! Und wer hat sie in die Welt geschickt? Wenn diese Frage zu schwierig ist, stelle ich sie nochmal, etwas vereinfacht: Wer hat diese Begrüßung in die Welt gezwitschert - genauer: getwittert? Ja, jetzt wissen es alle! Der Staatenlenker "formerly known as" Immobilienmogul hat damit unlängst auf die Feststellung reagiert, dass der nordkoreanische geliebte Führer seinen immer auf dem Schreibtisch liegen hat. Bei dem (zum Glück nur) verbalen Schlagabtausch ruft der Begriff "unlängst" bei mir übrigens ein Schmunzeln hervor, als Schelm, der nichts Böses dabei denkt. Mich erinnern diese gegenseitigen Drohgebärden nämlich an die Vergleiche, die pubertierende Jungens an der Pieselrinne anstellen - Sie wissen schon: Welcher ist länger?!
Obwohl die Gesamtsituation zerfahren bis bedrohlich ist, habe ich laut aufgelacht. Der eine droht mit einem Atomsprengkopfknopf, und der andere reagiert damit, dass sein Atomsprengkopfknopf größer und mächtiger ist. Das nämlich sind die Dinger, die die beiden knallharten Jungs auf dem Schreibtisch liegen haben, und ich werde mich nicht in Mutmaßungen, ob sie damit etwas kompensieren müssen, auslassen. Das sollen entweder Psychoanalytiker oder die Mächtigen selbst unter sich ausmachen, aber - bitte! - ohne dabei gleich Teile der unbeteiligten Welt in atomaren Schutt und Asche zu legen. 
Es ist schon grotesk: Das neue Jahr ist gerade mal 72 Stunden jung, und der oberste Befehlshaber der US-amerikanischen Streitkräfte hat nichts besseres zu tun, als mit geopolitischer Geometrie eine weitere Achse des Bösen zu definieren: Palästina (ok, das war noch im Dezember), Iran, Pakistan (die pakistanische Regierung hat den ersten Trump'schen Wut-Tweet 2018 kassiert - meine Gratulation an dieser Stelle!) und Nordkorea. Damit hat Trump nicht nur klar sein Feindbild präsentiert, er hat auch eine gestochen scharfe Achse in Form einer Gerade über einen Teil des Globus gezeichnet. Dass auf dieser Geraden bzw. Achse auch noch China liegt - geschenkt! Manch böser Geist hätte D.J. Trump die Lösung einer kniffligen, geometrischen Aufgabe (die ihm zwar niemand gestellt hat, aber was soll's?!) gar nicht zugetraut.
Und genau darin liegt die Krux: Donald Trump wird weltweit gerne auf seine Twitteraktivitäten reduziert, bleibt allerdings Staatsoberhaupt der USA und damit einer der mächtigsten, wenn nicht gar der mächtigste Politiker, der Welt. Und ich bin mir sicher, dass nicht wenige Staatsoberhäupter, die regelmäßig ihren diplomatischen Kopf über ihn schütteln, insgeheim gar nicht so unglücklich über dessen Poltereien sind. Sei es, weil diese Poltereien in der weltweit wohl größten diplomatischen Krise seit Beginn des kalten Krieges der Szenerie etwas (gewollt oder ungewollt) zynisches verleihen, sei es, weil "da endlich mal wieder einer Tacheles redet" - und der dann im Nachhinein als inkompetenten Sündenbock einen traurigen Platz in den Geschichtsbüchern erhalten haben wird.
Es ist ein fataler Fehler, Politikern, die von Diplomatie, oder Menschenrechten, oder internationalen Abkommen (, oder all dem) nicht viel halten, automatisch Intelligenzminderung oder Dummheit zu unterstellen. Sie haben gewiss höhere Bildung genossen und gleichzeitig im Leben beträchtliche Erfahrungen in Sachen Durchsetzungsvermögen machen dürfen. Diese und deren Spielchen zu verharmlosen, erinnert eher an das Pfeifen im Walde - mit Realität hat diese Einschätzung wenig zu tun. Die Realität ist eher die, dass wir in Zukunft wieder vermehrt mit brachialen Drohgebärden und unvorhersehbaren Übergriffen leben müssen, nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch im Alltag, wie die jüngsten gewalttätigen Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst an Silvester traurig darstellen. Die Umgangsformen sind rauher geworden - das macht auch vor Politik nicht halt.
Was also sollten wir tun? Zeigen, dass es anders geht! Manchmal helfen Unvoreingenommenheit, Humor und Besinnung (zum Beispiel auf eigene Stärken).
Dann muss Mann auch nicht gleich mit dem Hammer schwingen - oder sich in missverständlichen Größenvergleichen üben... 
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein friedliches und segensreiches Jahr 2018!


DAS WAR'S, 2017

10.12.2017: "Wo bleibst Du, Trost der ganzen Welt? Darauf sie all Ihr' Hoffnung stellt..."

... oh komm, ach komm, vom hohen Saal! Komm hilf uns in dem Jammertal!" Was für ein passender Text, zitiert aus dem wunderbaren, adventlichen Gesang "Oh Heiland, reiß die Himmel auf", geschrieben von Friedrich Spee im Jahre 1622 - offenbar lief auch in jener Zeit nicht alles rund. Willkommen, liebe Lesenden! Pünktlich zum zweiten Advent lohnt es, sich einmal in die spirituelle und geheimnisvolle Welt des christlichen Glaubens zu versetzen. Wir werden da, inmitten unserer hektischen Weihnachtsgeschenkakquise und während unserer heimeligen, saufseligen Plingpling-Allesglänzt-Booah-Weihnachtsmarktvisiten doch tatsächlich eingeladen, innezuhalten. Watsolldattenn!? Keine Zeit! Wir müssen doch konsumieren, anprobieren, animieren - wenn die Glühweinprobe aus dem Ruder läuft, auch noch reanimieren. Und da kommen die Kirchenfuzzis in ihren Gendergewändern an und erzählen uns einen von Innehalten?!
Ja! Und womit? Mit Recht! Denn ziemlich genau 395 Jahre, nachdem der oben genannte Moraltheologe den oben genannten Text verfasst hat, stellen wir fest, dass wir der Erlösung nicht wirklich näher gekommen sind. Gut, einem Teil der Menschheit geht es materiell etwas besser als den Menschen im 17. Jahrhundert, was sicherlich dem Fortschritt geschuldet ist. Aber sind wir der Menschlichkeit nähergekommen? Nää, nicht näher. Warum auch?
Vielleicht, weil irgendwann mal ein paar schlaue Gelehrte davon ausgegangen sind, die Menschen seien Gottes Abbild (oder lautet die korrekte Übersetzung Abziehbild?) Was ist denn los mit denen, die die Geschicke in der Welt lenken? Bitte jetzt keine Querverweise auf muslimische Fundamentalisten; es reicht, wenn wir einige Strategen unseres - nennen wir ihn: westlichen - Kulturkreises betrachten: Beata Szydlo, bis vor Kurzem polnische Ministerpräsidentin, Katholikin; Viktor Orban, ungarischer Ministerpräsident, Christ; Wladimir Putin, russischer - ja, wie soll man ihn nennen? - Omnipotentat, orthodoxer Christ; Donald Trump, unbedeutender politischer Quereinsteiger in den USA, evangelischer Christ. Na, fällt auch Ihnen etwas auf? Ohne diesen wichtigen und gewichtigen Persönlichkeiten zu nahe treten zu wollen: Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es mit dem Heil der Welt seitens unserer christlichen Religion nicht so recht voranschreiten will. War da nicht mal was mit Nächstenliebe, Versöhnung und Barmherzigkeit? Vom Ziel, die göttliche Schöpfung zu bewahren, will ich gar nicht erst anfangen - gut, wir alle wissen, die Schöpfung der Welt, so wie sie in der Bibel dargestellt wird, ist ein Mythos, aber deswegen muss man sie doch nicht gleich zerdeppern (den Planeten, meine ich! Die Bibel, wenn ich's recht bedenke, auch nicht). 
Aber, anstatt wir uns auseinandersetzen mit jenem düsteren Abgrund, an dem die Menschheit dieser Zeit gefährlich nah herumtänzelt, blenden wir uns glitzerndem Blingbling und kaufen Geschenke für die Menschen, die uns eigentlich ankotzen, denen wir aber einmal im Jahr mit der Faust in der Tasche mal was schenken (oder einen einschenken?), um uns nach getaner Familienfestpflichterfüllung gehörig das Maul über sie alle zerreißen. Mal ehrlich: Ist das das Fest des Friedens und der Liebe? Nö. Das kann es vielleicht auch deswegen nicht werden, weil wir den vierwöchigen Abschnitt vor dem Fest einfach ignoriert haben: Vier Kerzen im Advent sind nicht romantisch (wenn der Kranz kokelt, schon gar nicht!), sondern ein Sinnbild der Hoffnung; dass in Zeiten des abnehmenden Lichts nämlich eine kleine Kerze, trotzig im Wind flackernd, sich gegen die Dunkelheit stemmt. Das vergessen wir unter vielfarbigen LED-Bestrahlungen regelmäßig. 
Also: Licht aus! Und dann nicht "Spot an", sondern Kerze an (der andere war Ilja Richter in "disco"). Und dann mal in die Flamme schauen, bis die Augen tränen - machen die Yogi auch (nein, nicht der Bundestrainer - schnallt Ihr eigentlich gar nix?!) Und dann Besinnen! Alle!
In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche Adventszeit und ein sinn- und friedvolles Weihnachtsfest. Dann kann das neue Jahr nur besser werden - wird ja auch Zeit!
 

08.11.2017: Nacktbilder schützen vor Nacktaufnahmen

...sagt Facebook; ich muss dazu sagen, dass ich weder das eine noch das andere bislang ausprobiert habe - also weder diese obszöne Zur-Schaustellung meiner Person und Persönlichkeit, noch Nacktaufnahmen (schon gar nicht für die Öffentlichkeit und ich finde, dafür könnt Ihr mir jetzt auch mal dankbar sein!). 
Aber der Reihe nach: Es scheint einen unschönen Trend zu geben, sich an ehemals geliebten, ungeliebten Mitmenschen zu rächen. Man verbreitet einfach Nacktaufnahmen mit bzw. von ihm oder ihr (vorzugsweise da, wo es die meisten Unbeteiligten glotzen können) und fertig ist die Rache. Um diese Schäbigkeit zu unterbinden, testet Facebook nun eine neue Funktion: Man soll an seine eigene Adresse eigene Nacktfotos schicken (kein Scherz!), damit eine intelligente Software diese Bilder scannen und somit eine spätere Veröffentlichung dergleichen Bilder verhindert werden kann. Facebook speichert das an die eigene Adresse gesendete Nacktfoto übrigens nicht (natürlich nicht! Wer hätte das denn auch gedacht?).
Heißt es jetzt also Selbstangriff ist die beste Selbstverteidigung? Das klingt zunächst irreführend. Ähnliche Vorgehensweisen erkennt der dilettantische Beobachter aber sowohl in der Justiz (Selbstanzeige) und in der Homöopathie.
Häh?! Diese Frage ist zwar grammatikalisch unausreichend, aber immerhin berechtigt, also: Gesetzt den Fall, ich hinterziehe Steuern oder begehe ein Verkehrsdelikt und mich plagt das schlechte Gewissen, dann habe ich in bestimmten Fällen die Chance, mein Strafmaß zu mildern, indem ich mich selbst anzeige (als Katholik hat man alternativ noch die Möglichkeit, zu beichten; das ändert aber nur was an der moralischen Gewissenslast, nicht jedoch am irdischen Strafmaß - ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied). Ähnlich verhält es sich mit Nacktaufnahmen, nur mit dem Unterschied, dass , zumindest in den Socialnetworks, nichts gemildert wird, sondern laut facebookscher Theorie gar nix erscheint - zumindest nicht bei Facebook; der Lust, anderen Menschen zu schaden, ist schon allein durch die einfache Möglichkeit, Billigdomains zu erwerben und mit Inhalten zu füllen, online kaum eine Grenze gesetzt.
In der Homöopathie behandelt man sich mit minimalsten Dosen (Plural von Dosis und nicht etwa von Dose) eines Erregers, um damit den eigenen Körper zu immunisieren. Beim Impfen macht man das auch - lieber sich einmal selbst wehtun, als dass andere (in dem Fall Bakterien oder - haha: Viren!) das tun.
Der für Datensicherheit beauftragte Australier hat neben der von Facebook angestrebten Schutzidee noch eine Alternative in petto - da kommt Ihr nie drauf! Sie lautet: Wenn nackig, nicht filmen! Im Klartext heißt das, klare Ansagen machen: Entweder Smartphone und sonstige Aufzeichnungsgeräte aus, oder "Nix mit Dingens"! Soviel Zeit muss sein (schmunzel - wer hätte gedacht, dass dieser altkluge Satz in unserer Zeitrafferzeit noch mal so wichtig werden könnte?!) Zugegeben, da heute mehr und mehr wichtig ist, alles zu zeigen, was man wo und mit wem wie macht, fällt es schwer, die entsprechenden Apparate vor der letzten gefallenen Hülle auszuschalten oder zumindest auszusperren, vor allem wenn mensch bedenkt, dass manche in ebensolchen, gewissen Momenten eher das Hirn als das Smartphone ausschalten (geht ja auch meistens schneller - wenn ich bedenke, wie lange es dauert, bis mein altes Patschphone runtergefahren ist...). Trotzdem: Wer permanent von Achtsamkeit und Selbstbestimmung faselt, sollte in den entscheidenden Augenblicken des Lebens darauf achten, dass kein anderer seine Augen-Blicke auf die eigene Intimität richten kann...
(Can't watch this...)  

 

23.10.2017: Alles Reformation oder was?!

Stell Dir vor, es ist Feiertag und keiner weiß wieso! Oder besser: Keinen interessiert, wieso, Hauptsache Freiertag! Das ist nur menschlich. Schließlich muss es auch mal was geben, worauf man sich freuen kann - und für viele ist der freie Tag am Reformationstag ein willkommener "geschenkter Gaul", dem man nicht ins Maul schaut. Wie praktisch, dass am selben Tag zu Halloween, der amerikanisch-konsumverzerrten Variante des ehemals irischen Gedenktags "all hallows eve", gruselig verkleidete Rotzbl... - wollte sagen: Kinder! - durch die Straßen rennen und unter Androhung von Gewalt Zuckerfraß schnorren, darauf kann man sich nun einen ganzen Tag vorbereiten.
Nein, ich habe nichts gegen Süßigkeiten an Brauchtumstagen, schließlich bin ich bekennender Niederrheiner und Karneval gibbet auch Kamelle. Es ist immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit und der Bewusstheit: Solange uns bewusst bleibt, warum bestimmte Feiertage eben freie Tage sind, kann man auch entsprechend feiern (dies gilt im Übrigen auch für Weihnachten, Ostern, Pfingsten und den Tag der deutschen Einheit!) 
Der 31. Oktober ist für unser Land und das Christentum von derart einschneidender Bedeutung, dass man einmal in 500 Jahren zumindest - sogar als Katholik - auf Martin Luther hinweisen sollte; war er es doch, der mit seinen 95 Thesen klar Stellung bezog zur bis dahin gängigen Praxis der Kirche, Ablassbriefe als Sündenerlass zu verscherbeln "Lug und Trug predigen diejenigen, die sagen, die Seele erhebe sich aus dem Fegefeuer, sobald die Münze klingelnd in den Kasten fällt (These 27)".
Irgendwie hat dieser Martin Luther durch seine kühnen Worte einen Sturm ausgelöst, der, rückblickend betrachtet, frischen Wind in den christlichen Glauben gebracht hat, was offenbar auch dringend nötig war in einer Zeit, da die Unterdrückung und Ängstigung durch die Kirchenfürsten einen traurigen, wahrhaft unchristlichen Höhepunkt erreicht hatte. Martin Luther, ein Querdenker - mit durchaus strittigen Aussagen zu "Frau", was aber in der damaligen Zeit schon als Fortschritt bewertet werden kann: "Wenn aber eine Frau auch etwas bitter ist, muss sie trotzdem ertragen werden, denn sie gehört ins Haus" bedeutet übrigens nicht, wie vielfach falsch zitiert, dass eine Frau an den Herd gehört.
Martin Luther hat uns die Furcht genommen, ohne uns die Fürchtigkeit zu nehmen. Nicht die Angst soll unser Leben bestimmen, sondern die eigene Gewissensprüfung vor dem, was mit "Gottes Wort" sei und die Bewusstheit, dass Macht und Reichtum vor Fehlern nicht schützen. Nun ist die Sache mit Gottes Wort immer etwas schwierig, da er ja schon länger nicht mehr gesprochen und erst recht nicht getwittert hat - die zehn Gebote als ethischen Kodex für eine Gesellschaft zu interpretieren, kann aber auch heutzutage nicht schaden, ganz gleich, ob sie einer prophetischen Gabe Mose oder seiner Dehydrierung entspringen. Und irgendwie hat Luther es sogar geschafft, die katholische Kirche zu sanieren, schließlich erkennt man auch hier Entwicklungen, die Luthers Reformgeist entspringen, auch wenn die vatikanische Kurie dies nicht zugeben würde - besser spät als nie.
Martin Luther scheint manchmal gar aktueller denn je : "Friede gilt mehr denn alles Recht, und Friede ist nicht um des Rechtes willen, sondern Recht um des Friedens willen gemacht. Darum, wenn ja eines weichen muss, so soll das Recht dem Friede und nicht der Friede dem Rechte weichen." Manchmal wünsche ich mir einen Luther der Neuzeit, der unbequeme Wahrheiten ausspricht, um Schlimmeres von der Menschheit abzuwenden. Derer, die ihren Mist in die Welt twittern und posten (mich wahrscheinlich eingeschlossen), haben wir schon zu viele. Allerdings habe ich auch Angst davor, dass durch einen neuen "Aufklärer" auch wieder neue Unruhen entstehen.
Aber Gedenken sollte schon drin sein! Hat schließlich immerhin schon mal was mit "Denken" zu tun... 


 

30.09.2017: Ich bin froh, dass es vorbei ist...

... zumindest der erste Teil ist vorbei: Die Stimmen sind ausgezählt, das offiziell bestätigte Wahlergebnis liegt vor - und bis Mitte Oktober tut sich wegen der Landtagswahl in Niedersachsen erstmal nichts. Letzteres ist der eigentliche Sodbrennenauslöser: Derartiges Taktieren ist Wasser auf den Mühlen der Partei-deren-Name-nicht-genannt-werden-darf und sich trotzdem gefühlt am meisten in den Kommentarspalten wiederfinden lässt (dieses "gefühlt am meisten" wiederum passt hervorragend zu deren Fake-Thesen - wie war das noch mal mit den postfaktischen Zeiten...?).
Nicht nur die deutsche Presse spricht nach dem Wahlerfolg einer offensichtlich rechtsradikalen Partei als drittstärkste Kraft im deutschen Bundestag von einer Zäsur - auch die Zeitungen der Länder, in denen die rechtsnationalen mindestens zweitstärkste Kraft im dortigen Parlament sind (also "gefühlt" überall in Europa; was red' ich: auf der ganzen Welt!), äußern sich besorgt über ein Wiedererstarken nationalistischer Kräfte in deutschen Landen. Und diese Sorge ist berechtigt.
Denn jede(r) achte Wählende hat am vergangenen Wochenende das Kreuzchen bei einer Partei gemacht, die das deutsche Grundgesetz  offen zu attackieren bereit ist ("Würde", Gleichberechtigung", "Meinungsfreiheit", "Religionsfreiheit" etc.) - und gleichzeitig alle Zugewanderte (geduldet oder nicht) unter Generalverdacht stellt, dass sie das Grundgesetz nicht achten würden. Jede(r) achte macht sein Kreuz also bei einer eher schizophren anmutenden Partei, die es, nebenbei bemerkt, möglicherweise darauf anlegt, das einzige Deutschland, was je für Offenheit und Frieden (abgesehen von "systemrelevanten" Rüstungsexporten...) stand, abzuschaffen! 

Dass nur jeder vierte Wähler der Partei-deren-Name-nicht-genannt-werden-darf nur aus Enttäuschung das Kreuz ebendort gemacht zu haben scheint, darf man getrost als Pfeifen im Walde interpretieren - sie sind wieder da! Und sie finden Gehör! 
Darauf zu warten, dass sie sich selbst zerlegen, weil diverses Spitzenpersonal bereits wieder ausgetreten ist, ist naiv und brandgefährlich! Ebenso könnte man darauf warten, dass ein offenes Feuer im Heizungsraum sich selbst löscht, weil es da ja eine feuerfeste Tür gibt.
Es wird auf kurz oder lang kräftig im Parlament knallen - und daran sind weder unsere Bundeskanzlerin noch der glücklose Herausforderer Schulz Schuld! Es sind auch nicht die von allen Seiten gescholtenen Medien, die sich mit der Partei-deren-Name-undsoweiter auseinandersetzen.
Es gibt kaum Reibungspunkte in der merkelschen Bundesrepublik, weil sie eben - als Kanzlerin aller in Deutschland Lebenden - ein Ohr für alle Stimmen und Stimmungen hat. Irgendwann einmal hat sie den Eid geleistet, Kanzlerin aller in Deutschland Beheimateten zu sein und irgendwie hat sie es geschafft, dieses Land in Europa durch wahrhaft lausige Zeiten zu manövrieren.
Trotz aller Ärgernisse und Zukunftssorgen ist es in Deutschland nie so einfach gewesen, satt zu werden, ein Dach über dem Kopf zu haben und ein weitgehend flächendeckendes Gesundheitssystem vorzufinden. Dass es demgegenüber Menschen gibt, die daran nicht teilhaben können, liegt an der fehlenden Solidarität derer, die teilhaben. An der fehlenden Bereitschaft, etwas abzugeben, denn "Haben kommt von Halten". Wen wundert es, dass immer mehr Menschen sich entweder abgehängt fühlen oder Angst davor haben, dass es so kommt? Und diese Angst füttert sie
Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen, aber nicht nach rechts, sondern aufeinander zu! Es ist nämlich eine physikalische oder geometrische Unmöglichkeit (oder zumindest ein Paradoxon?), dass es rechts von einer Mitte nichts gibt - es sei denn, der Gesamtzusammenhalt und die Kraft der Zusammengehörigkeit sind stark genug, um bei einem immer höher werdenden Alltagstempo die Mitte nicht an die Ränder abdriften zu lassen. Das geht nur, wenn Menschen sich gegenseitig halten. Und genau daran mangelt es in unserer hochbequemen, individualisierten Gesellschaft. Jedoch: ein Gemeinschaftsgefühl - das ist das Perfide - kann aber nicht von oben verordnet werden, sondern muss aus der Mitte und aus dem Boden wachsen.
Es ist also noch lange nicht vorbei... Wer wirklich will, dass sie keine Chance mehr haben, sollte heute schon anfangen und Solidarität leben - und das ist kein postsozialistisches oder gewerkschaftliches Geschwafel, sondern eine Grundbedingung menschlichen Zusammenlebens. Nicht nur zu Wahlkampfzwecken... 

 

 

 

25.08.2017: Das Grab ist leer...

"... Der Held ist fort, der Ma-hai-kel i-hist ve-her-schwu-hun-den." Entschuldigt bitte meine blasphemische Anwandlung, aber diese Zeile kam mir sofort in den Sinn, als ich hörte, dass das Königsgrab leer ist. Königsgrab, fragt Ihr? Na, habt Ihr es denn nicht gehört? Der King of Pop - möglicherweise ist sein Grab leer. So ganz genau weiß man es nicht, aber immerhin hat seine eigene Mutter angeblich "einem engen Vertrauten (natürlich!)" verraten, dass Michael Jackson nicht in seiner offiziellen Krypta begraben liegt. Das heizt natürlich Spekulationen aller Art an - abgesehen vom üblichen Mechanismus, dass bei den Boulevardmedien offenbar immer jemanden kennt, der jemanden kennt, der einen engen Vertrauten von Promi X zu kennen glauben könnte. Was könnte nun also hinter dem Verschwinden stecken? Um den wildesten Spekulationen Einhalt zu gebieten, präsentiere und entzaubere ich sie sogleich auf dieser unbedeutenden Seite:
Theorie 1 (die naheliegende): Michael Jackson ist erst gar nicht auf dem Friedhof "Forest Lawn" beigesetzt worden - dort liegen gar viele berühmte Persönlichkeiten begraben. Der King of Pop scheute jedoch schon zu Lebzeiten zu viel Rummel außerhalb der Bühne und zog sich gerne zurück; zu viele Besucher auf einem Memorial Park - quasi "großer Bahnhof auf großem Friedhof" - dürfte nicht dem letzten Willen des legendären Moonwalk-Performers entsprochen haben.
Theorie 2 (die rational-biologische): Das Grab ist deshalb leer, weil der natürliche Verfallprozess eines Leichnams auch vor Pop-Ikonen nicht haltmacht (auch wenn garstige Zungen hinsichtlich diverser Operationen anderes behaupten). Nach acht Jahren - ja, verdammt!, so lange ist sein Tod schon her - kann es durchaus schon mal sein, dass von der beigesetzten Person kaum noch etwas übrig ist - es sei denn, er wurde mumifiziert, was aber nicht stimmt.
Theorie 3 (die tollkühn-spekulative:) Michael Jackson ist, ebenso wie Elvis Presley, nicht gestorben, sondern beide leben noch und touren unter wechselnden Namen durch die Weltgeschichte. Der höchst abstrusen Einschätzung, dass es sich dabei um die Amigos handelt, wird an dieser Stelle auf das Äußerste widersprochen! Eher ist zu vermuten, dass Elvis und Michael einschlägige Kneipenkonzerte geben wenn-es-denn-stimmte-stimmt-aber-nicht.
Theorie 4 (die noch tollkühnere und düster-mystische): Michael Jackson hat es gemacht wie die Protagonisten seines Kultvideos "Thriller" (das gleichnamige Superalbum erschien übrigens vor 35 Jahren - ), indem er einfach aus dem Grab aufgestanden ist. Böse Zungen behaupten gar, der King of Pop habe mit "Thriller" seine Seele an den Teufel verkauft - da sieht man mal, wozu es führen kann, wenn man mit Satan gemeinsame Sache macht, wenn-es-denn-stimmte-stimmt-aber-auch-nicht.
Theorie 5 (die geschmacklose): Ein leeres Grab ist ein Loch im Boden und kann in dieser Loch-Eigenschaft auch als Sommerloch dienen, um die schlechten Verkaufszahlen wegen magerer Promi-News (nein, ich meine nicht die Models von Victoria Beckham) mit einem Knaller zu steigern. Die Sommerloch-Theorie ist nicht ganz auszuschließen.
Und was stimmt jetzt? Glaubt man der Mutter des Verstorbenen, wurde Michael Jackson, entgegen der anderslautenden offiziellen Version, tatsächlich nicht auf dem "Forest Lawn Memorial Park" beigesetzt
, sondern nach einer Phase der Kühllagerung (in welcher diverse Familienstreitigkeiten aus dem Weg zu räumen waren - kennt man ja auch aus Politikerfamilien) eingeäschert. Die Asche wurde anschließend auf seiner Ranch verstreut, womit sein letzter Wille erfüllt worden wäre, wenn-es-denn-stimmt... Wissen wir aber nicht!
Mein Tipp: Lasst den genialen Popkönig in Frieden ruhen, wo auch immer er jetzt liegt. Seine genialen Songs und die Erinnerung an seinen extravaganten Tanzstil werden ohnehin noch länger leben als jede noch so an den Haaren herbeigezogene Theorie seines Verschwindens!



 

13.07.2017: Linke Täter? Nichtlinke Nichttäter?

Menschenskind! Ich dachte, wir hätten mit islamistischem und rechtsradikalem Terror schon genug zu kämpfen - jetzt fangen die Linksradikalen auch noch (bzw. schon wieder) an! Als hätten sie Angst, bei allen Unruhen als harmlose und vernachlässigbare Größe abgestempelt zu werden: "Hey! Wir sind auch noch da und wir können auch Arschlöcher sein!" Und wirklich: Was waren das für Demonstrationen: Demonstrationen menschenverachtender Aktionen, Körperverletzung, Plünderung und schließlich Selbstinszenierung! Wenn mir jetzt - bitte! - irgendwer erklären könnte, was an dieser orgiastischen Gewaltausübung links sein soll, wäre ich dankbar. Nein, ich wäre nicht dankbar, mein Weltbild - im Sinne von: links heißt sozial, weltverbessernd, innovativ - wäre zutiefst erschüttert. Das ist es sowieso schon. Das einzig soziale im Kontext dieser sinnlosen Unruhen war die Welle der Solidarität am Tag nach dem Tag X, bei der die zu Schaden gekommenen Anwohner durch Freiwillige beim Aufräumen - besser: beim Versuch der Schadensbegrenzung - unentgeltlich Hilfe erhielten. Selbstredend, dass nun die üblichen Forderungen ausgerufen werden: Der erste Bürgermeister muss zurücktreten! Wir brauchen härtere Strafen! Wir brauchen engmaschigere Datenspeicherung. Zu all dem gesellen sich aktuell die seltsamsten Seltsamkeiten: Der Polizei wird vorgeworfen, dass sie die Brutalität des schwarzen Blocks erst provoziert habe (was unwahrscheinlich ist, da den Landesinnenministerien bereits vorher Hinweise zu Ankündigungen exzessivster Gewaltexzesse vorgelegen haben sollen); ein in Talkshows omnipräsentes CDU-Mitglied verlässt eine ebensolche, weil er die dummdreisten, pseudointellektuell-moralischen Auslassungen einer möglicherweise ideologisch verblendeteten Mitdiskutierenden nicht mehr mitanhören will; zuschlechterletzt wirft die Alterspräsidentin (Mitglied einer AfD - was auch sonst?!) des mecklenburg-vorpommerschen Landtags den Vorschlag (und gleichzeitig die Grundwerte unserer Gesellschaft) in den Ring, Plünderer zu erschießen.
Entschuldigung, dass ich all das nicht verstehe! Aber ein Teil dieser Nachlese ist mir fast noch mehr zuwider als die terroristischen Unerträglichkeiten. Wie wäre es, wenn wir uns statt allem Aktionismus alle mal beruhigen? Dass wir in unruhigen Zeiten mit hoher Bereitschaft zu Gewalt leben, ist nicht erst seit Hamburg offensichtlich. Vielleicht ist es ja wieder an der Zeit, dass sich Menschen der Mitte offen von Gewalt distanzieren - es müssen ja nicht gleich Friedensmärsche sein (das ist ja viel zu mühselig). Aber irgendein Zeichen "normaler" Menschen, die einfach nur versuchen, konstruktiv miteinander umzugehen, erscheint dringend notwendiger denn je.
Dies wäre auch nur konsequent: Wir erwarten von Muslimen, dass sie ein Zeichen setzen und sich vom islamistischen Terror und salafistischer Ideologie distanzieren; wir erwarten von den Menschen in Ostdeutschland, dass sie gegen rechtsnationale Gesinnung Zeichen setzen oder zumindest sich davon distanzieren; wir erwarten von linken Politikern, dass sie Verantwortung für die Gewaltexzesse von Hamburg übernehmen - oder sich davon zu distanzieren; wir erwarten von Fußballfans und Vereinen, dass sie ein Zeichen gegen gewaltbereite Ultras setzen. Ich habe eine Frage: Wer sind eigentlich "wir"? Anders gefragt: Wer sind wir eigentlich? Wir, die wir immer mehr dazu übergehen, unser Leben vom Sofa aus per Tastatur zu organisieren (oder wenigstens vom Arbeitszimmer aus)? "Wir" sind doch gerade jetzt auch nicht auf den Straßen, um Solidarität untereinander einzufordern. "Wir" sind doch zum großen Teil eine Menge Menschen, die mit all dem Ärger gar nichts mehr zu tun haben wollen und ihm aus dem Weg gehen wollen - beziehungsweise aus dem Weg sitzen wollen.
Natürlich wollen die meisten von uns nur in Frieden leben. Offenbar reicht es aber langsam nicht mehr, nur zu hocken und zu hoffen, dass die Einschläge schon woanders stattfinden. Die Patentlösung, wie mensch sich sinnvoller einbringen kann, um "Zeichen zu setzen" oder "sich zu distanzieren", habe leider auch ich nicht. Vielleicht reicht manchmal ja schon ein "das sehe ich anders" in spontanen Gesprächsrunden auf der Arbeit oder beim Bäcker (wenn man seine Brötchen nicht gerade online bestellt). Ich gebe zu, das ist mühselig und oft auch riskant - aber es ist auf jeden Fall sinnvoller, als dumm draufloszuprügeln - und anspruchsvoller, als gar nichts zu tun.

 


18.06.2017: "Fußball ist unser Leben, der König Fußball regiert die Welt...*"

... so trällerten im Jahre 1973 die Jungs der deutschen Fußballnationalmannschaft (genauer gesagt, der BRD - ja, liebe U28, damals war Deutschland noch geteilt), und die Fußballwelt war noch in Ordnung (wie gesagt: im "Westen"). Heute, ziemlich genau 44 Jahre später, sehen wir uns aber mit Entwicklungen konfrontiert, die unweigerlich folgende Frage aufwerfen: Wenn der König Fußball die Welt regiert, wer regiert denn dann heute den König Fußball? Ein Kaiser?! Das wäre Franz B., aber der ist ja durch sommermärchenhafte Verstrickungen in Ungnade gefallen. Es muss also jemanden oder etwas anderes geben, dass den Fußball heute regiert. Dat glauben se nich?! Doch, es ist so, und ich kann es auch anhand jüngster Ereignisse beweisen! Da wäre zum Beispiel das DfB-Pokalfinale: Wie glamourös wurde doch die Halbzeitpause gestaltet mit der livehaftigen Helene Fischer und einem Medley ihrer größten Hits - und was ist der Dank?! Die arme Helene wird ausgepfiffen (na gut, finanziell arm wird sie nicht sein - ich denke, für den Auftritt gab es eine angemessene Entschädigung). Dass ich mir als Kleinkünstler kaum vorstellen kann, einmal von über 2000 Lippen ausgepfiffen zu werden, ist in dieser Geschichte nebensächlich. Dass diese mehreren tausend Lippen bei Helene gepfiffen haben, lässt zwar den Schluss zu, dass die jeweiligen Besitzer ziemlich ungehobelte und taktlose Klötze sind; trotzdem lässt sich daran ablesen, dass viele Fans von der zunehmenden Kommerzialisierung die Nase voll haben. Nicht mehr der König Fußball regiert die Welt, sondern das große Geld. Das ist aber nicht erst seit dem DfB-Pokalfinale so: Der erste Millionentransfer der Bundesligageschichte erfolgte bereits im Jahre "Drei" nach jenem legendären Lied, welches der Titel des diesmonatigen Aufschnappers zitiert (genau: Bereits 1976 wurde die Schallmauer der Mio. durchbrochen).
Triktosponsoring fand bereits in den sechziger Jahren statt - "GeldGeldGeld" ist also keineswegs ein Phänomen des modernen Fußballgeschäfts. 
Genau dies machen uns aber subversive Kräfte innerhalb der Fangruppen verschiedener Vereine immer wieder Glauben: Der Fußball wird immer kommerzieller - ja, das stimmt, aber die Ursprünge liegen schon so lange zurück, dass diese Kommerzialisierung nicht Ursache der Ultra-Entwicklung, sondern lediglich ein vorgeschobener Grund für chaotisches (und gewaltbereites!) Handeln ist. Damit wären wir bei einer weiteren Theorie, wem der Fußball denn jetzt gehört: Die Ultrabewegung proklamiert die wahre Seele des Fußballs für sich; dass die hochkreative Ultraszene (mit wirklich starken, sehenswerten Stadionchoreographien) längst eine hässliche Kehrseite entwickelt hat, die mit Fußball nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hat, sondern offensichtlich nur Krawall und fahrlässige Körperverletzung im Sinne hat, ist ein Riesenproblem - welches die Ultraszene gerne ignoriert und wovon auch die "normalen" Fußballfans sich leider nicht ausreichend distanzieren. Da aber körperliche Gewalt nichts mit Fußball zu tun hat - wenn nicht gerade Typen wie einst Marc van Bommel auf dem Platz stehen - darf "der moderne Fußball" auch nicht in die Hände dieser Prügelproleten fallen. Trotzdem proklamieren sie ihn offen für sich.
Wem gehört der Fußball? Vielleicht sollte sich die Gemeinschaft aller Fans wieder darauf besinnen, dass dieser Sport "die schönste Nebensache der Welt" ist - aber eben auch nicht mehr als das! Dass sich daraus eine Geldmaschinerie entwickelt hat, liegt leider in der Natur aller Dinge, die eine gewisse Popularität genießen und folglich finanziell ausgeschlachtet werden. Das ist schade. Aber wer sich daran stört, kann ja andere Sportarten gucken - die Champions League wird ja sowieso bald nur noch im Bezahlfernsehen übertragen...
(* erste Zeile des Refrains aus: "Fußball ist unser Leben", komponiert und produziert von Jack White, gesungen von der DFB-Elf 1973)


02.05.2017: Leitkultur und Haltung...

...und Maijucken! Mit besten Grüßen aus Berlin sendeten während der ersten Maitage zwei der hochrangigsten Deutschen Politikerinnen einige Denkanstöße und Meinungsäußerungen, die die interessierte Bevölkerung mehr oder weniger ins Mark traf! Da wäre zum einen unser Innenminister: Mutig greift er die Debatte der deutschen Leitkultur (oder Leidkultur? Oder Lightkultur?) wieder auf und erreicht damit ein erwartbar hohes Maß an Empörung einerseits und an Zustimmung andererseits. Was ist deutsch? Was ist Kultur? Und was ist überhaupt Leit? Letzteres weiß ich auch nicht, aber zumindest den Kulturbegriff kann man vom lateinischen Wort "Kultus" ableiten - im ursprünglichen Wortsinn bedeutet dies unter anderem "Gesundheitspflege", "Bildung", "Hygiene", "Religionspflege" und "Kunst". Betrachtet man diese Begriffe einmal mit Verstand, kann man so ungefähr abschätzen, wieviel uns Kultur wirklich wert ist: Alle reden darüber, aber kaum jemand ist bereit, dafür zu zahlen - nicht nur in der Politik! Qualität hat ihren Preis - diese Erkenntnis steht im direkten Widerspruch zu unserer wachsenden Discountermentalität! Bevor wir also eine Diskussion darüber starten, ob wir eine Leitkultur brauchen, sollten wir uns zunächst darüber im Klaren sein, was ein Verzicht auf Kultur bedeutet. 
Kulturelle Identität beginnt mit dem Bewusstsein über die Errungenschaften unserer Kultur - dazu gehören auch ein dichtes Netz des Gesundheitssystems, ein vergleichsweise solides sozialstaatliches Netz, Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Dass insbesondere diese Errungenschaften nicht in Stein gemeißelt sind, sondern einer stetigen Anpassung unterliegen müssen, versteht sich von selbst. Wenn wir uns dieser Errungenschaften bewusst bleiben, anstatt permanent gegen das sogenannte politische Establishment zu stänkern, leben wir Kultur und haben damit auch entsprechende Strahlkraft. Andersrum: Wir können hunderte kulturelle Leitbilder "von oben" basteln -  sie werden nichts bewirken, wenn die sogenannten "Bio-Deutschen" (für mich bereits jetzt das "Unwort 2017") sich nicht die Mühe machen, unsere Kultur zu leben! Dann ist dieses Leitbild im Übrigen auch für Zuwandernde sinnlos.
Dieses Kulturverständnis gehört im Übrigen auch in die Bundeswehr, und damit sind wir bei unserer Verteidigungsministerin: Mutig greift sie ins Wespennest, moniert ein Haltungsproblem in der Truppe und löst damit eine Welle der Empörung aus - Skandal! Richtig - aber was genau ist denn jetzt der Skandal? Dass eine Bundesministerin sich nicht vor ihre "Untergebenen" stellt, sondern deren Fehlverhalten kritisiert? Oder vielmehr, dass sich eine dunkler Anteil dieser Untergebenen unter aller Würde und gegen alle Menschenwürde verhält? Ist es nicht eigentlich längst an der Zeit, diese Würdeverstöße zu ahnden - und gehört dazu nicht auch eine unbequeme Transparenz, zu der sich die Verteidigungsministerin nun entschlossen hat. Es handelt sich bei diesen Verstößen schließlich nicht um saufselige Dummejungenstreiche, sondern um Straftaten. Vielleicht würden sich Teile der Bevölkerung weniger beunruhigt fühlen, wenn sie von diesen Vorkommnissen nicht wüssten - trotzdem, oder gerade deshalb, gehört es zu unserer Kultur, Missstände transparent beim Namen zu nennen, aber dann auch dementsprechend zu handeln!
Lange Schreibe, kurzer Sinn: Wer von Zuwanderern kulturelle Anpassung fordert, muss diese vorleben - das gilt insbesondere für diejenigen, die dieses Land, inklusive seiner Kultur, verteidigen...


10.04.2017: Hallo Echo...?!

Eines vorweg: Wenn Du Jan Böhmermann lustig finden willst, musst Du Humor haben - am besten, seinen! Dessen Deutsch-Pop-Bashing im Kontext der Echoverleihung bewies einmal mehr einen guten Riecher für satireträchtige Themen und zudem eine schonungslose Art, Personen oder Persönlichkeiten abzuwatschen. Und - um ehrlich zu sein - als enttäuschter, weil nicht bundesweit bekannter Kleinkünstler*, habe ich diese Abrechnung mit der sogenannten Kommerzpopmusik genossen. Nicht zuletzt deshalb, weil auch ich mehrfach der Wiederauferstehung des deutschen Pop anheim gefallen bin, bei vielen Liedern mitsumme und mittanze (und, ja: ich war sogar schon auf Konzerten...) und deshalb den fehlenden Tiefgang quasi schlucke. Denn das ist nun mal Pop: Das Wort leitet sich ab vom englischen "popular" (hat diesmal nichts mit Populismus zu tun) und bedeutet so viel wie "beliebt". Dieses Genre zielt also genau darauf ab, beliebt zu sein und versucht natürlich entsprechend klingend daher zu kommen, um möglichst viele Ohren und Herzen zu erobern. Insofern ist ein Kommerzpreis wie der Echo auch nur konsequent, denn er belohnt die Musikschaffenden für die besten Verkaufszahlen. So ist der Preis definiert.
Auch die Vermischung von Pop, Schleichwerbung und mangelndem Tiefgang ist nicht neu, das wissen wir nicht erst seit Modern Talking: Auch die Musik der neuen deutschen Welle zeichnete sich nicht gerade aus durch politische Haltung und Zeichensetzen (sieht man mal von Satzzeichen ab...), bis auf wenige Ausnahmen (die oft gar nicht mal nicht so gemeint waren...). Wer politische Haltung und gesellschaftskritische Denkanstöße im Bereich der Popmusik erwartet, muss sich von je her abseits des sogenannten Mainstreams bewegen und im Indie, Alternative oder Sub auf die Suche gehen - und was man dort zuweilen findet, ist nicht selten derart fragwürdig, dass der echonominierte, nichts aussagende Pop zumindest eine geringere Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft bedeutet.
Wer eine Revolution des Pop erwartet, erwartet auch, dass dieses Genre in die gleiche Hand beißt, die sie füttert! Das ist im Zeitalter des Streamings, der Verbilligung der Musik und damit einhergehend einer Neoliberalisierung des Musikgeschäfts allerdings kaum vorstellbar: Künstler, die es sich leisten können, auf finanzielle "Nebeneinkünfte" zu verzichten, sind selten und stammen zumeist aus einer Zeit, in der es sich "noch richtig gelohnt" hat, Musik zu machen (gab es diese Zeiten wirklich? Oder war es nicht schon immer nur wenigen gegönnt, von ihrer Text- und Klangproduktion** in Saus und Braus leben zu können?).
Dass deutsche Popmusik und deutscher Schlager eine große Schnittmenge miteinander bilden, dürfte also nicht erst seit Jan Böhmermanns "Rundumwatschn" bekannt sein; dass Bands nach anfänglichen, jungwilden Neudeutschrock-Jahren inzwischen in dieser seichten Schnittmenge ein eher ausgependeltes Dasein fristen, ist schon eher tragisch, aber eben auch keine neue Entwicklung: Auch für ihr Lebenswerk ausgezeichnete KünstlerInnen konnten oder wollten sich mindestens einmal während ihrer langen Karriere der ungeheuren (lukrativen?) Sogwirkung dieser Industrie nicht entziehen. Stehen bleibt die Frage nach Authentizität: Ist das, was produziert** wird, wirklich ernstgemeint, "aus tiefster Seele", oder letztlich nur ein Convenienceprodukt? Und, wenn Letzteres stimmt: Macht das nicht jeder Mensch so, der bei einem Arbeitgeber in Lohn und Brot steht - muss mensch dort nicht auch die Erwartungen des Betriebs erfüllen?
Vielleicht ist das das tiefe Geheimnis des Erfolgs der Popmusik: Die Menschen, die da singen, sind wirklich "welche von uns" - in dem sie nämlich genau das tun, was von ihnen erwartet wird: Erwartungen zu erfüllen.
Wem das zu wenig ist, kann sich ja für die Künstler einsetzen, die nicht so prominent sind, aber etwas zu sagen haben (keine Ahnung, wen ich damit meinen könnte...!).

*Ist "Kleinkunst" und "bundesweit bekannt" nicht ein Widerspruch in sich?

**Bedeutet "Produktion" nicht immer auch so etwas wie "für die Masse"? Und kann das dann wirklich noch so kreativ und von der Masse abgesetzt sein? 



19.03.2017: Nederland, bedankt...

Bedankt?! Zeker wetend?! Es ist nun einige Tage her, seit die Niederländer - unsere ach!, so toleranten Nachbarn im Westen - gewählt haben und der befürchtete Sieg des Rechtspopulisten Geert Wilders ausgeblieben ist. Erleichterung macht sich breit unter den europäischen Verfechtern der Demokratie und der gemeinsamen Idee von - ja, was eigentlich? Fairness, Freiheit und Frieden? Vielleicht - immerhin sind dies hohe Werte, die innerhalb der europäischen Union immer noch der Erhaltung wert sind. Geert Wilders und seine OneManShow PVV haben unverhohlen diese Werte und den Verbleib in der EU abgelehnt. Er ist nicht stärkste Kraft geworden. Also alles lekker oder wat?!
Wenn mir vor einigen Jahren jemand prophezeit hätte, dass ich den zweiten Platz eines rechtpopulistischen Kandidaten bei einer Wahl mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen würde, hätte ich ihm angewidert auf die Füße gereihert. Liebe Lesenden, ist es wirklich ein Erfolg, wenn eine Abrissbirne gegen die Toleranz zweitstärkste Kraft ist?! Sollte uns das nicht vielmehr endgültig wachrütteln und uns anschreien: "Jetzt ist der Augenblick, da Du am Scheideweg stehst und die einmalige Chance hast, Dich FÜR Deine Demokratie und GEGEN die Ungeister der unsäglichen nationalistischen Vergangenheit zu entscheiden!"? Was macht es uns so schwer, uns für diese kulturelle Errungenschaft namens Demokratie einzusetzen? Warum haben wir zu ihr so ein schlechtes Verhältnis ?
Vielleicht wird die Antwort klar, wenn wir den Begriff Verhältnis durch Beziehung ersetzen: Wir befinden uns immerhin in einer Langzeitbeziehung zur Demokratie. Abgesehen davon, dass diese Form der Beziehung in den vergangenen Jahren immer öfter scheitert, stellen wir in unseren Beziehungen - eben auch in der zur genannten Staatsform - fest, dass die anfängliche Verliebtheit irgendwann dem Alltag zum Opfer fällt; da werden Hoffnungen und Erwartungen nur unzureichend oder gar nicht erfüllt; manchmal ist man regelrecht enttäuscht; und irgendwann kommt man, in dieser schnelllebigen und unsteten Zeit immer häufiger, zu dem Schluss, dass man sich trennen sollte. Die Statistik belegt dies zum Teil, nimmt die Zahl der Singlehaushalte doch seit Jahren zu. Befragt man diese Singles jedoch einmal, dann stellt man fest, dass sie sich im Grunde ihres Selbst nach einer festen Beziehung "fürs Leben" sehnen, weil sie genau spüren, dass die Alternative "Einsamkeit" unerträglich ist. Und aus genau diesem Grunde sollten wir Deutschen uns in diesem Jahr bewusst für unsere demokratischen Werte und gegen den Populismus entscheiden, weil wir genau spüren, dass die Alternative für Deutschland unerträglich - gut, lassen wir das!
Was also tun? Als unser ehemaliger und inzwischen verstobener Bundespräsident Herzog einst den Ruck beschwor, der durch Deutschland zu gehen habe, meinte er gewiss keinen Rechtsruck. Aber eben dieser Rechtsruck mahnt uns nun eindringlich, die eigenen Werte noch einmal zu überdenken, bevor sie leichtsinnig aufs Spiel gesetzt werden! Wenn dieses Überdenken in einem Bekenntnis zur Demokratie mündet, dann hat sogar dieses rechte Aufwühlen noch einen Sinn. Aber: Nationen wie Polen, Großbritannien oder die USA haben gezeigt, dass es eben längst nicht schon irgendwie gut gehen wird! Die Wahlresultate in Österreich und in den Niederlanden beweisen NICHT, dass von Seiten der Nationalisten keine Gefahr für uns alle ausgeht: Sie beweisen lediglich, dass wir noch einmal mit einem blauen (im Falle der Niederlande wohl mit einem orangen) Auge davongekommen sind.
Also: Demokraten aller Länder, vereinigt Euch! Für Ordnung im Sinne des demokratischen Rechtsstaats - aber auch für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit! Und: Wer Benimm und Toleranz von anderen erwartet, sollte, wie in anderen Fällen auch, mit gutem Beispiel vorangehen.
Goede Avond (D: Guten Abend)!



13.02.2017: Ein Tag für Radios

Die UNESCO hat den dreizehnten Februar zum Tag des Radios erklärt - um darauf hinzuweisen, dass für einen Großteil der Menschheit dieses Medium die einzige Möglichkeit des Nachrichtenempfangs ist. Das ist in unseren postfaktischen Zeiten durchaus spannend, galt das Radio vor gar nicht allzu langer Zeit doch vielen als optimale Nachrichtenquelle: Weitgehend aktuell, nicht durch Bilder beeinflusst und wahrscheinlich seriös (ich gebe zu, die dem zugrunde liegende Umfrage ist nicht repräsentativ... immerhin, ich weise darauf hin). Und heute? Meine persönliche Meinung dazu ist, dass das Radio zwischen all den schnelllebigen und brandaktuellen Nachrichtenportals es verdient hätte, eine wahre Renaissance zu erleben. In diesen Zeiten, wo popularpopulistischer Popularpopulismus um sich greift und gleichzeitig dem politischen Gegner schnell Populismus vorgeworfen wird, verschwinden gut recherchierte Beiträge irgendwo im virtuellen Outback - und deren journalistische Urheber nicht selten in türkischen Gefängnissen. Ich habe die Flut an schnellgeschossenen und/oder mundgerecht servierten Meldungen - nicht selten Falschmeldungen - sowas von satt, dass ich der Convenience-Fast-Food-Pseudopresse namens Facebook die ausführliche, aber manchmal schwer zu kauende Schwarzbrotpresse ("schwarz" ist hier nicht zwingend politisch zu verstehen...) immer öfter vorziehe: Was habe ich von Newsportalen, die nicht Informationen verbreiten, sondern Meinungen in die Köpfe prügeln wollen? Ist das noch Meinungsfreiheit? Gut, das ist eine Suggestivfrage, lassen wir das. Aber ich habe noch ein Argument: Brauchen wir nicht gerade heutzutage zwischen all den sich selbst überschlagenden Ereignissen einen reflektierenden Ruhepol? Besonnenheit statt Besoffenheit! Oder, um ein wahrhaft konservatives Sprichwort zu bemühen: Gut Ding will Weile haben. Auch auf die Gefahr hin, dass Griechenland aktuell nicht Euer Liebling ist: Die drei Siebe von Sokrates sind in diesem Kontext durchaus angebracht (Sokrates, der griechische Philosoph, nicht der Fußballprofi vom BVB...). Also: Sinngemäß mögen alle Nachrichten, die auf uns einregnen, durch drei Siebe gesiebt werden: Das Sieb der Wahrheit, das Sieb der Güte und das Sieb der Notwendigkeit. Diese Sieberei kann uns bei allen Fake-News, Verschwörungstheorien und Alternativen Fakten (gibt es schon alternative Fakes?) eine segensreiche Hilfe sein. Ich empfehle zum Beispiel, alle Tweeds von Donald Trump durch diese drei Siebe zu sieben - ich prognostiziere, dass jeder, der das tut, spätestens nach zwei Tagen seinen Twitteraccount löscht oder zumindest um die Trumpschen 140 Zeichen einen großen virtuellen Bogen macht. Wie gut, dass der präsidiale Namensvetter der großen Comic-Ente anstelle des Twittervögelchens noch nicht das Radio für sich entdeckt hat... Freunde, hört mehr Radio!

 


15.01.2017: Ein Korrektiv für Facebook

Liebe Lesenden, aufgepasst bzw. aufgeschnappt: Dies ist zweifellos eine der besseren Nachrichten im noch jungen neuen Jahr! Ein Internetgigant engagiert einen Journalistenzwerg zwecks "Qualitätskontrolle, anders ausgedrückt: Goliath bittet David um Hilfe; konkret heißt das: "Facebook", das größte social network der Welt, hat das kleine deutsche Recherchebüro "correctiv" dazu auserkoren, die in jenem Portal grassierenden Falschmeldungen zu entlarven und die Nutzer auf mögliche Fehlinformation hinzuweisen. Das gefällt mir!
Dass Facebook so etwas alleine nicht kann bzw. können will, ist eigentlich schändlich, aber nicht weiter verwunderlich, schließlich geht es Zuckerberg und co in erster Linie um "Freundschaften", also Kommunikation und vielleicht Emotion; Kommunikation ist eben nicht Information - und schon gar keine solide Information; so etwas ist Drecksarbeit, die sollen andere erledigen. Pikant daran ist jedoch, dass sich Facebook, mit weltweit ca. 1,6 Milliarden Nutzenden (was immerhin 20% der Gesamtweltbevölkerung entspricht), eben wegen dieser hohen Mitgliederzahl hervorragend dazu eignet, Neuigkeiten in die virtuelle Welt hinaus zu posten. Neuigkeiten, die - wie es unter Freunden üblich ist - mit einer gehörigen Prise Emotion gewürzt sind. Moment, da war doch was: Emotion plus Information? Willkommen im postfaktischen Zeitalter! Facebook muss sich schon seit geraumer Zeit den Vorwurf gefallen lassen, ein ideales Medium zur Verbreitung von FakeNews ("Falschmeldungen", eigentlich: "Lügenkampagnen") zu sein. Nur um den Irrwitz der FakeNews kurz zu skizzieren: Meistens setzen genau diejenigen Lügenkampagnen in die Welt, die dem seriös arbeitenden Journalismus "Lügenpresse" und ähnliche Widerlichkeiten entgegenblaffen.
Dieser Irrwitz führt die überforderte Bevölkerung geradewegs in die Krux, zwischen Lügenvorwürfen und tatsächlichen Lügen nicht mehr die Wahrheit erkennen zu können. Wie grotesk: Im Zeitalter der Informationstechnologie scheint es schwieriger denn je, gut informiert zu sein.
Licht in dieses gigantische Dunkel soll nun "correctiv" bringen. Dahinter steht das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschen Raum, sozusagen eine faktische Bastion im postfaktischen Sturm. Das bietet in der Tat Anlass zur Hoffnung, dass sich auch diese postfaktischen Zeiten ändern - wenn "correctiv" sich behaupten kann (und diverse Journalistenpreise lassen dies erwarten), dürften sie Wegbereiter in eine postpostfaktische Phase sein. Wenn nun ausgerechnet der Datenriese facebook eine Art Medienpartnerschaft mit dem kleinen, auf Spenden angewiesene, Recherchebüro eingeht, könnte das eine Folge des politischen Drucks sein, den die demokratischen Parteien unseres Landes auf das "Soziale Netzwerk" ausüben. Es gibt mir ein beruhigendes Gefühl, wenn Politik etwas erreicht - und Beruhigung ist ein emotionales Gegengewicht zu den Empfindungen Angst und Wut, welche die Populisten aller Nationen mit Vorliebe zu verbreiten versuchen.
Dass Facebook in dieser Zusammenarbeit nicht zu finanzieller Vergütung bereit zu sein scheint, dass Facebook nur auf wachsenden politischen Druck reagiert, dass das kleine "correctiv" mit der Menge der Verschwörungstheorien überfordert sein könnte, all das verpasst der ganzen Geschichte einen kleinen Wermutstropfen. Aber immerhin: Es ist eine kleine Kerze, die da leuchtet. Und die genügt, um in der großen Dunkelheit wieder ein wenig zu sehen. Das gefällt mir!
Auf weitere gute Neuigkeiten!

 

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