Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

03.01.2019: Frohes. Neues!

Naa? Habt Ihr den Aufschnapper im Dezember vermisst? Ihr alle sieben? Ich auch. Beziehungsweise, vermisst habe ich ihn nicht, ich habe ihn nicht geschrieben. Skandal: Einer der wichtigsten unregelmäßigen Blogs erscheint nicht! Was war geschehen?
Ich habe, wie sehr viele andere Menschen auch, das vergangene Jahr Revue passieren lassen, unter anderem anhand meiner Aufschnapper. Nun, was mir da um die Augen und Ohren flatterte, lässt mich doch sehr wundern, dass wir das Jahr überhaupt überlebt haben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir entweder tierisch viel Schwein gehabt haben (dann hat es sich also doch gelohnt, das mit den Guten Wünschen zum Neuen Jahr und dem Glücksferkelchen…?), oder dass wir doch das eine oder andere richtig gemacht haben (die Frage ist bloß: Was?), oder wir Menschen (Kabaretttreibende gehören wider Erwarten auch zur Gattung Mensch - wenn auch möglicherweise nicht alle zur Gattung Homo sapiens sapiens...) haben einfach einen evolutionäre entwickelten Blick für das Wurmstichige. Letzteres erscheint mir sinnvoll, denn ohne diesen Blick passierte uns Schneewittchens Schicksal garantiert öfter - Ihr wisst schon: Mädchen hübsch, Stiefmutter böse, Apfel giftig, Schluck-ächz-würg!
Es ist also gut, dass Mensch nicht müde wird, ihre Umgebung kritisch und argwöhnisch zu betrachten. Zwischendurch kann es aber helfen, auf all die guten Entwicklungen zu schauen, unseren aktuellen Status zu betrachten und die jahrtausendelange Entwicklung der Zivilisation als das zu würdigen, was sie ist: Als große Errungenschaft und einzige Überlebensgarantie für die menschliche Spezies mit all ihren Spezis.
Nein! Wir haben die großen Gräuel und Elende der Menschen nicht verbannt; im Gegenteil, es sind sogar noch einige, besonders umweltzerstörerische, hinzugekommen. Aber wahrscheinlich entwickeln wir, verglichen mit denen, die vor Hunderten von Jahren gelebt haben, ein anderes Bewusstsein. Beispiele gefällig? Nun gut: Vor hunderten von Jahren galt es als ehrenvoll, in den Krieg zu ziehen; diese Einschätzung scheint sich nicht nur in Europa zu verändern. Vor hunderten von Jahren wussten die Menschen noch nicht einmal, wie sie Naturschutz und Fortschritt in Einklang bringen sollten; wir wissen immerhin, dass es möglich ist (und überdies nötig!). Vor hunderten von Jahren waren Frauen Menschen zweiter Klasse; heute gibt es ein Bewusstsein für Gleichberechtigung.
Das alles zeigt in keinster Weise, dass wir bereits dort sind, wo wir hin wollen: Gleichberechtigung steht nur auf dem Papier, gelebt wird sie noch nicht (weder zwischen Frau und Mann, noch zwischen arm und reich, noch zwischen weiß und "coloured"); Umweltschutz und Friedensbewegung könnten eine ganze Menge neuen Schub gebrauchen; und die Bereitschaft, Meinungsverschiedenheiten mit Gewalt und Unterdrückung zu lösen, scheint immer weiter um sich zu greifen. 
Genau aus diesem Grund bemühe ich mich, ab diesem Jahr einen anderen Weg der Kleinkunst einzuschlagen: Darzustellen, was wir können! Leute wie Dich zu animieren, positivere Bücher zu lesen; sogar Traubenlesen ist produktiver als Nachrichten auf Facebook lesen! Glaubt nicht jeden Sch'#*! Hört nicht auf die Dummschwätzer - hört auch nicht immer auf mich (ach so: im Dezember hab ich ja auch gar nix gesagt...).
Mal sehen, ob mir dieser Ansatz gelingt. Ihr kennt ja das Malheur mit den guten Vorsätzen. Aber der Anfang ist gemacht! 
Danke für's Lesen bis hierhin.

 

Dezember 2018: Dazu fällt mir auch nix mehr ein...
-  - -

29.11.2018: Aus! Vorbei!

Wir sind raus! Vorbei mit dem Dasein in den vordersten Töpfen, vorbei mit dem Status des ewig gesetzten, vorbei mit der an Selbstsicherheit kaum noch zu überbietenden Gewissheit, dass wir die Nummer eins der Welt sind. Es hat sich ausgenummereinst. Was zu Beginn dieses Jahres schon als Ouvertüre einer Götterdämmerung bedrohlich dahinsäuselte, fand bei der anerkennenswerten Platzierung als Gruppenvierter in Russland sein fulminantes Intermezzo und endete nun schließlich als finale catastrofurioso mit der grandiosen Verkackophonie gegen unsere Lieblingsnachbarn bei der Nations League. Zuviel halbmusikalische Worte? Nun gut, einfacher ausgedrückt: Wir sind raus! Aber das sagte ich ja schon. Deutscher Fußball - lass Dich eintüten (ok, das Originalzitat galt dem portugiesischen Fußball 2008 und stammt von Reporterlegende Manni Breuckmann, aber es passt sooo schön!)
Besonders gemein finde ich, dass ich die Regeln dieser neuen Ligue oder League noch gar nicht richtig kapiert habe und jetzt muss ich das auch noch aus der B-Klasse heraus lernen. Wobei ich insgeheim ja schon Spaß hätte, wenn ich mir so eine B-Klasse leisten könnte. Ihr wisst schon: Diese Stuttgarter Automarke, ist die nicht auch Sponsor der Nationalelf? Die mit dem Stern? - also, nicht die mit dem fünften, das hat ja nicht so funktioniert. Wär doch ein super selbstironischer Werbegag: "Auch die B-Klasse kann schön sein"... Naja, aber mit Selbstironie hat der Fußball es ja selten. Wenn man sich nur diesen erfolgsverwöhnten Verein aus der bajuwarischen Landeshauptstadt anguckt: Da rufen die als Tabellenfünfter den Notstand aus! Es gibt in der Liga mindestens dreizehn Vereine, die am Ende der Saison froh wären, wenn sie fünfter geworden wären (vor allem die beiden Letztplatzierten). 
Was steckt da für ein seltsames Selbstverständnis hinter? Wäre das nicht ein bisschen Wettbewerbsverzerrung, wenn der Weltfußball nie ohne Deutschland und Deutschland nie ohne den FC Bayern auskäme? Und der FCB nie ohne Uli H. - gut, das ist eine ganz andere Geschichte. Aber man merkt es doch allen an, dass sie entweder klammheimlich oder unverhohlen lachen und grinsen, weil Fußballdeutschland eben auch nur mit Wasser kocht bzw. das Kochen mit dem Getränk eines der Hauptsponsoren der "Mannschaft" zwar lustig macht, aber nicht unbedingt schmeckt. Und dass es ausgerechnet jetzt Witze hagelt gegen den Verein, der in der Winterpause wahrscheinlich nichts besseres zu tun haben wird, als den Fußballwesten leerzukaufen - ist das nicht hochverdient?! Schadenfreude ist zwar nicht unbedingt so meins, aber da mache ich gerne auch mal eine Ausnahme.
Und jetzt lasst uns alle mal aufhören, rum zu heulen. Gut, ich gebe zu, es ist tragisch, ausgerechnet gegen die Niederlande rauszufliegen, aber - hey! - so ist das eben. Vor vier Jahren noch 1:7 in Maracana, nun ein spärlich umjubelter Heimsieg in Leipzig gegen Russland und schließlich das 2:2 auf Schalke gegen Achlassenwirdas. 
Ich finde die ganze Runterstufung des deutschen Fußballs ja gar nicht schlecht. Da kann man sich auch mal wieder um wirklich wichtige Dinge kümmern. Welche das sind?
Warte mal den Dezember-Aufschnapper ab... 
 

25.10.2018: … Vor lauter Bäumen den Wald...

Wer hätte gedacht, dass eine Waldfläche in der Größe von inzwischen nur noch 200 Hektar (vor vierzig Jahren immerhin noch zwanzigmal so groß!) die Gemüter dieser Republik einmal so erhitzen würde? Und wer hätte gedacht, dass die Diskussion um einen Wald einmal derart hanebüchen bis unsachlich geführt werden würde? Gut, Letzteres ist eine Randerscheinung der postfaktischen Ära, in welcher wir uns nun mal befinden. Aber es ist schon befremdlich, welche Argumente und welche Drohgebärden von den streitenden Parteien zu Felde - oder sollte man besser sagen: zu Walde? - geführt werden. 
In der Gewissheit, bei der Aufklärung des Sachverhaltes übelst zu scheitern, wage ich den Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen:
Die Diskussion um den Braunkohletagebau als solche ist nicht neu - bereits seit den neunzehnhundertsiebziger Jahren wird er kritisch beäugt. Das Fass des Unmutes wurde mehrfach zum Überlaufen gebracht,  unter anderem Mitte der Achtziger Jahre durch die Einschätzung des Energiekonzerns, dass für die umgrenzenden Naturschutzgebiete keine Garantie gegeben würde. Schon damals wurde die Braunkohle als sehr klimaschädliche Form der Energiegewinnung eingeschätzt und an dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Dass RWE also heute fassungslos argumentiert, der Stopp käme plötzlich und würde Arbeitsplätze kosten, ist perfide: Hätte man in der Vergangenheit die stichhaltigen Argumente des Klimaschutzes beachtet und die Diskussion ehrlich im Sinne der Nachhaltigkeit geführt, hätte man damals schon Arbeitsplätze im Braunkohleabbau als unsicher und nicht zukunftsträchtig erkennen müssen. Ich möchte aus Respekt vor den wirtschaftlichen und energiepolitischen Interessen jetzt nicht den Begriff Ignoranz bemühen.
Die energiepolitische Komponente wird immer gerne bemüht und ist auch nicht von der Hand zu weisen: Solange wir Westeuropäer weder willens noch in der Lage sind, unseren immensen Energiehunger zu reduzieren, werden wir unseren Energieverbrauch wahrscheinlich nicht aus ausschließlich regenerativen Quellen decken können. Energiereduktion widerspricht leider den Regeln des Wachstums, dem sich die neoliberal orientierte Welt mittlerweile unterwirft, wie ein befallenes Organ seinem Krebsgeschwür. Nein - ich will nicht die Marktwirtschaft als solche geißeln, sofern sie sozial agiert. Aber eben das tut sie nicht, Wachstum ist der Maßstab für alles, Wachstum erfordert Energie, Energie erfordert Ressourcenausbeutung. So einfach ist das. 
Nein! - so einfach ist es eben nicht, denn es gibt auch so etwas wie Verantwortung für den nicht industrialisierten Teil der Welt und für kommende Generationen. Deshalb sind gerade Energiekonzerne gefordert, ihren Teil zu einer sauberen Zukunft beizutragen - moderner Ablasshandel in form von Verschmutzungszertifikaten reicht da nicht.
Zurück zum Hambacher Wald - der im Übrigen gern aus Sicht der Braunkohlebefürworter "Forst" genannt wird, weil er dann weniger natürlich klingt. Dem ist aber nicht so, es handelt sich offenbar um ein einige tausend Jahre Waldgebiet und eben nicht vom modernen Menschen beforstetes Gebiet. 
Aktivisten, die diesen Wald "Hambi" nennen, tun ihm erst recht keinen Gefallen! Der Name klingt nach Verniedlichung und Kuschelgedöns, und das vergrault jeden Menschen, der einigermaßen rational denkt und noch alle Rosinen im Stollen hat. Ebenso wird kein Aktivist, der Baumhäuser baut und mit Schei- äh, ich meine, Fäkalien, um sich und auf Polizisten wirft, irgendetwas Positives bewirken; außer vielleicht, dass die Justiz, vor der er sich verantworten muss, gestärkt wird.
Die Gerichte scheinen die einzigen zu sein, die in der aktuellen Debatte einen kühlen Kopf bewahren. Lobend zu erwähnen ist das OVG Münster, welches bis zur endgültigen Klärung einen Rodungsstopp verhängt hat. Bravo! Vor vollendete Tatsachen möchte niemand gestellt werden. 
Die so oft gescholtene EU ermahnt Deutschland immer wieder, seine Klimaziele nicht einzuhalten und eine Dreckschleuder in puncto Energiegewinnung zu sein. Auch wenn ich nun Äpfel mit Birnbäumen vergleiche: Wenn Deutschland andere Mitgliedsländer der EU immer wieder (zurecht!) ermahnt, Finanz- und Humanitätsrichtlinien nicht einzuhalten, ist Deutschland in eben dieser Causa ebenso gefordert, Umweltrichtlinien korrekt und sauber (vor allem sauber!) umzusetzen.
Also: Kommt bitte alle wieder runter! Die RWE von ihrem hohen Ross und die Aktivisten von den Bäumen. 
Möglicherweise ist die zu Anfang beschriebene Erhitzung der Gemüter ja auch schon eine Folge der Erderwärmung... Nein, das ist nicht witzig!

11.09.2018: Gott schütze uns...

...ere Verfassung! Denn offensichtlich sind ein gewisser Präsident des Verfassungsschutzes und ein gewisser Bundesinnenminister dazu gerade nicht bereit oder in der Lage.
OK, das war hart! Aber macht es bei Ihnen nicht auch den Eindruck, dass die beiden genannten ein erhebliches Visusproblem auf dem rechten Auge haben? Verstehen Sie mich nicht falsch, prinzipiell begrüße ich es, wenn in diesen postfaktischen, "Fakenews"-verschmutzten Zeiten bei brisanten Neuigkeiten eine gewisse Besonnenheit spürbar ist - sei es; wenn ein Video auftaucht, sei es wenn diversen Politikern einer bestimmten Partei Probleme mit der Einhaltung unseres Grundgesetzes nachgesagt werden. Aber sowohl Wortwahl als auch Stil, jenes "Chemnitz-Video" als möglicherweise unecht abzutun, lässt mich verzweifeln und hoffen, dass zumindest Gott noch einen wohlwollenden und schützenden Blick auf unsere Verfassung wirft.
Wobei Gott gerade weltweit einiges zu tun hat: Die unheilvolle Allianz im mittleren Osten (nein, nicht Sachsen! Das ist nicht der mittlere, sondern der rechte Osten - zumindest, bis man mich vom Gegenteil überzeugt) und deren Angriff auf Idlib; der Wahlausgang in Schweden; die menschenverachtende Flüchtlingspolitik diverser EU-Staaten, die offenbar die Maxime von Offenheit und Menschlichkeit der EU nicht gelesen oder nicht begriffen haben; ganz zu schweigen von despotischen Staatsmännern! Von der Orientierungslosigkeit des UK bei den Brexitverhandlungen mal ganz abgesehen; wobei, da ich gerade mit Gott eingeleitet habe, ich hier einen kleinen Schmankerl einwerfen muss: Die britische Verfassung (die es laut wissenschaftlicher Literatur gar nicht gibt, was ansatzweise erklärt, warum der UK in puncto Brexit in keiner guten Verfassung zu sein scheint) beruft sich nirgendwo auf christliche Werte oder auf Gott - aber laut Hymne soll Gott die Königin schützen (und das scheint ja auch zu passieren, wenn man sich das Alter mal anschaut...). Ist das gar ein Gottesbeweis? 
Wo wir gerade dabei sind: Was sollte Gott Ihrer Meinung nach mit dem US-Präsidenten machen? Letzterer würde wahrscheinlich "You`re fired!" raushauen, wenn Gott mal ernst machen würde. Wo soll Gott in den neoliberalen vereinigten Staaten dann hin - möglicherweise ohne abgeschlossene Berufsausbildung!?
Zurück zum Beginn des Aufschnappers. Wenn unsere Verfassung sich unter anderem auf christliche Werte beruft, sollten die zuständigen Instanzen dann nicht mal das Heft in die Hand nehmen? Oder wenigstens die Steintafel mit den zehn Geboten auf den Köpfen zerbrechen, die mit selbigen gerade leider nicht selbiges tun (Da dürfen Sie jetzt drüber nachdenken, was ich damit sagen will). Was bedeutet das in Bezug auf all die Nächstenhassenden, die Hetzjäger, Neonazis, Religionsterroristen: Wenn Jesus sagt, ich solle meine Feinde lieben - meinte er wirklich auch die? Ich meine, Mücken, Noroviren, Vermögensberater - das sind alles nicht meine Freunde, aber deren Existenz ergibt zumindest halbwegs Sinn. Aber, wenn ich die davor genannten lieben soll, muss das dann nicht auch irgendwie auf Gegenseitigkeit beruhen? Ach, Sie meinen, dann wären das keine Feinde mehr?! Guter Einwand...
Wie komme ich da überhaupt gerade drauf? Weil ich eben heute in der Zeitung einen Artikel gelesen habe über einen Präsidenten des Verfassungsschutzes und sein unglücklich gesprochenes Wort. Und im Anfang war das Wort, so heißt es doch, und zack, war ich wieder bei Gott - wie immer, wenn es auf Erden zu unbequem wird...
Jedenfalls wäre ich froh, wenn die für den Schutz unserer Verfassung obersten Zuständigkeiten das prorechte Vokabular wieder in die unterste Schublade legten und diese gut verschlössen!
Ich bin ja weiß Gott ein gläubiger Mensch und vertraue auch auf dessen (oder deren?) höhere Macht - aber eine irdische Sicherheit würde mich auch freuen. Doppelt hält halt einfach besser!

 

18.08.2018: Zeitenwende?!

Nur noch ein paar Wochen, dann ist Weihnachten. Das ist bei den immer noch vorherrschenden Temperaturen für einige sicher tröstlich, aber es ist dann auch wichtig, sich schonmal ein paar Gedanken zu machen. Nein - nicht wegen der Weihnachtsgeschenke! (Die besorge ich immer erst ein paar Tage vorher): Wegen Winter. Weihnachten findet auf der Nordhalbkugel im kalendarischen Winter statt. Und da lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob man den Winter noch will; bzw. ob man die Winterzeit noch will, bzw. die Sommerzeit. Seit Jahren meckert und motzt die gefühlte (Achtung: postfaktisch!) Gesamtbevölkerung der EU zweimal jährlich wegen der Zeitumstellung, inzwischen ist dieses Wehklagen sogar schon in Brüssel gehört worden. 
Dort hat man sich dieses Jahr dazu entschlossen, die EU-Bürger zu befragen, wie sie denn zur Sommer- Winterzeitposse stehen. Unter einem Link, den ich hier nicht veröffentliche, weil die Umfrage diese Woche abgeschlossen worden ist, konnte jeder onlinefähige Mensch seine Meinung abgeben.
Über vier Millionen EU-ler haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht - das sind übrigens deutlich mehr, als bei bisherigen Umfragen, zum Beispiel zu den Themen E-Mobilität oder Barrierefreiheit (da kann man mal wieder sehen, was uns EU-Bürgern wirklich wichtig ist...). Das Ergebnis ist zwar noch nicht bekannt und im Übrigen auch nicht bindend, aber immerhin hat man sich aus Brüssel schonmal geäußert, was mit dem Umfrageergebnis gemacht werden wird: Es wird - ausgewertet! Das ist doch super, und das meine ich fast gar nicht ironisch. Es ist meines Erachtens der immens schwierige Eiertanz einer schwer in die Kritik geratenen, weil menschfernen, Institution, etwas mehr Beteiligung der Bevölkerung einzufordern, aber auch zu fördern - und zwar mit einem Thema, zu dem sich jeder irgendwie äußern kann, weil die Zeitumstellung jeden betrifft. 
Meine Phantasie flattert indessen nur so auf und ab: Wie haben die 4 Millionen Menschen entschieden? Will die Mehrheit alles beim bisherigen Umstellen lassen, oder will sie lieber keine Zeitumstellung mehr? Und, falls letzteres der Fall ist: Wollen wir lieber die Sommerzeit oder lieber die Winterzeit? Welche Zeit passt eher zu unserem Biorhythmus (nicht zu verwechseln mit Bierrhythmus)? Da die Sommerzeit MESZ heißt und die Winterzeit MEZ, gehen wir einfach davon aus, dass unser Körpergedächtnis eher die Winterzeit kennt - aber die meisten Menschen mögen den Sommer lieber als den Winter. 
Zum Glück haben die Ersteller der Umfrage relativ eindeutige Antworten vorgegeben. Nicht auszudenken, wenn jeder mit reinem Freitext hätte antworten dürfen: Ich sehe schon die dämlichen Populisten, die als Verfechter der gesamten Zeitabschaffung auftreten würden und wahrscheinlich damit einen Großteil ihrer (zumeist nicht minder dämlichen) Wählerschaft hinter sich scharen könnten: "Keine Zeit für niemand!", "Mehr Zeit für alle", so oder so ähnlich würden die Slogans lauten. Die Populisten würden in einem solchen Kontext wahrscheinlich auch versuchen, das Wetter abzuschaffen... Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Und wie wird jetzt in puncto MEZ und MESZ entschieden? Sagen wir mal so: Die Zeit heilt alle Wunden...

31.07.2018: Der Wasserspar-Effekt*

Ist Ihnen auch so heiß? Ich bin vor lauter Hitze  bisher noch nicht mal bis zum Juli-Aufschnapper-Eintrag gekommen. Manche behaupten ja, dass das Wetter menschengemacht sei; ich bin immer noch der Auffassung, dass Menschen kein Wetter machen können - wenn Menschen das könnten, wäre es wahrscheinlich noch viel schlechter.
Menschen machen kein Wetter, aber sie beeinflussen (durchaus fahrlässig!) das Klima und Klimaveränderungen. Ist die diesjährige Hitzewelle nun eine Folge des seit Jahrzehnten ignoranten Umgangs der Menschheit mit der Natur, oder ist sie doch nur eine Randerscheinung der besonderen Gestirnkonstellation mit Blutmondfinsternis (letztmals im Jahre 2003, ebenfalls ein sogenannter Jahrhundertsommer - witzigerweise im selben Jahrhundert), wie manche Erderwärmungsskeptiker vorgeben?
Was auch immer sie ist, sie hat spürbare Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion und auf die Leistungsfähigkeit des berufstätigen Mitteleuropäers. Bereits im Jahr 2015 hat das Bundesumweltamt verschiedene Studien ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass übermäßige Hitze die Produktivität des Arbeitenden um 3-12 % abnehmen lassen. Das ist viel. Uns klimatisch verwöhnten Deutschen könnte die aktuelle Hitzewelle dazu ermuntern, unsere erstaunlich veränderungsresistente Meinung über den Fleiß des gemeinen Südeuropäers und Nordafrikaners einmal in einem anderen, sonnenintensiveren, Licht zu betrachten: Spätestens seit den letzten Wochen weiß ich eine Siesta durchaus zu schätzen. Kann es sein, dass wir in Mitteleuropa nur deswegen so produktiv sind, weil wir in einem "gelobten Land", (noch!) ohne größere Klimaextreme und Wetterkatastrophen, leben?
Ein Sommer mit extremen Hitzewerten und ausbleibendem Niederschlag scheint bereits auszureichen, um einigen Landwirte arge Existenzsorgen zu bereiten - in einer landwirtschaftlich geprägten Region wie dem Niederrhein, der besonders heftig von der diesjährigen Trockenheit betroffen ist, fällt die Minderproduktion jedem in die Augen, der selbige hinter seiner Sonnenbrille noch halbwegs offen hat.
Eine reine Entschädigung für Ertragsausfälle greift hier übrigens zu kurz! Denn Landwirte und alle Konsumenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse (kurz: alle) können mit nachhaltiger Produktion und erst Recht mit nachhaltigem Einkaufen einen großen Teil gegen die Klimaerwärmung (und nebenbei gegen die Vermüllung der Ozeane) leisten - auch wenn dieses nachhaltige Verhalten für den Konsumenten durchaus unsexy sein dürfte: Reduzierung des Fleischkonsums, Reduzierung des Kaufs von eingeschweißten Produkten zugunsten vom häufigeren Kauf frischer Produkte (also auch weniger Discounterware), und insgesamt weniger Wegwerfen; solange wir immer noch so viele Nahrungsmittel unverzehrt einfach im Müll entsorgen, geht es uns wahrlich zu gut - auch bei Dauerhitze.
Alle sind gefordert: Die Regierungen, nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip (ha! wie passend zur Trockenheit), sondern zum Beispiel gestaffelt, gemäß der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit der Landwirtschaftsbetriebe, zu entschädigen; die Landwirte und die verarbeitenden Betriebe, ihre Produktion weniger auf Masse als auf Qualität und Nachhaltigkeit zu optimieren (auch wenn es dadurch für den Konsumenten teurer wird); der Konsument schließlich, die ökologisch-nachhaltige Produktion zu belohnen, indem er sich für eben diese Produkte entscheidet; und indem er sein eigenes Verhalten einmal mehr überdenkt und Dinge einspart.
Das wird schwer, und allein die Vorstellung, wie wir dies als Gesellschaft stemmen können, treibt mir sofort wieder die Schweißperlen auf die Stirn! Oder schwitz ich nur, weil es wieder so heiß ist...?
*in Anlehnung an den Aufschnapper-Titel vom Juni 2018. Wasser sparen kann auch helfen. Allerdings sollte die Sparsamkeit, gerade in Sachen Hygiene, nicht in Geiz ausarten, sonst stinkt es nämlich bald an anderer Stelle zum Himmel!

 

 

20.06.2018: Der Sparwasser-Effekt

Na?! Sind Sie auch gerade Bundestrainer? Bestimmt, schließlich ist doch gerade Fußball-WM in Russland und Deutschland hat vor einigen Tagen sein erstes Gruppenspiel vergeigt. Kein Wunder, dass die allgemeine Stimmung von der ursprünglichen Euphorie namens "Titelverteidigenwollen" wie ein ungebremster Lift in den tiefsten Kellerschacht namens "Vorrundenausscheidengefahr" gerauscht ist. Nun ist es mit ungebremsten Aufzügen so, dass während des Sturzes ja eigentlich noch nix passiert; entscheidend - und meistens definitiv - ist der Aufprall. Dort sind wir noch gar nicht, aber die unüberhörbare Hackerei, Stänkerei und die sowieso dauerobligate "Wir-wissen-eh-alles-besser-als-der-Jogi" lassen vermuten, dass sich unter den Insassen des oben genannten vertikalen Beförderungsmittels allmählich Panik ausbreitet. In einfacher Sprache ausgedrückt: Die Kacke ist mächtig am Dampfen.
Warum eigentlich regen wir uns so auf? Gut, ich gebe zu, auch ich war bedient nach der Pleite gegen spielstarke, pfeilschnelle und siegeshungrige Mexikaner; die erste WM-Auftaktniederlage seit Spanien 1982; und zu alledem auch noch absolut verdient. Man muss kein Taktikexperte sein, um erkannt zu haben, dass sowohl Aufstellung als auch Einstellung dem dampfenden Verdauungsendprodukt "siehe oben" entsprachen. Und die anschließenden, gegenseitigen Schuldzuweisungen der Akteure nehmen ein Ausmaß an, dass die politischen Hauptdarsteller des Koalitionsstreits in Sachen Migration vor Neid erblassen (bei der Gelegenheit: es ist erstaunlich, dass mehr Menschen Anstoß nehmen an der Leistung der Nationalelf als an den Verbaleskapaden einiger Mitglieder der in Bayern sehr beliebten, sogenannten Schwesterpartei). 
Zurück zur Frage: Warum regen wir uns eigentlich auf? Im schlimmsten Fall reisen die deutschen Kicker nach der Vorrunde wieder ab und unsere niederländischen Nachbarn sprechen uns ihr Beileid aus (nachdem sie sich die Tränen aus den Augen gewischt haben nach tagelangem, am Boden liegenden Lachen); und die ganze Fußballwelt bleibt verschont vom unseligen "Sieg! Sieg! Sieg!"-Skandieren der sogenannten deutschen Fans.
Vielleicht tritt aber auch der Sparwasser-Effekt ein. Sie erinnern sich? Hamburg, Juni 1974 (ausgerechnet Hamburg...), Fußball-WM, die Bundesrepublik Deutschland spielt gegen die deutsche demokratische Republik und verliert 0:1 durch das Tor von Jürgen Sparwasser. Vielleicht hat der ehemalige Spieler (der übrigens vor gut zwei Wochen seinen 70. Geburtstag feierte - Herzlichen Glückwunsch!) des 1.FC Magdeburg mit diesem einen Tor die westdeutsche Mannschaft dermaßen wachgerüttelt, dass sie am Ende überhaupt dadurch erst zum Weltmeistertitel gelangt sind - auch damals hat die deutsche Elf glänzend zunächst mit pomadig verwechselt. 
Machen wir uns nichts vor: Alle sind heiß darauf, den Weltmeister zu schlagen. Dass nicht nur unter dieser Voraussetzung eine erhebliche Leistungs- und Bereitschaftssteigerung der "Mannschaft" für eine Titelverteidigung dringend notwendig ist, sollte jedem halbwegs fußballaffinen Wesen klar sein. Wenn die aber tatsächlich eintreten, könnte sogar noch der Gruppensieg und sogar der Titel drin sein - dann hätte das Tor vom Mexikaner Lozano wahrscheinlich ähnlich heilsame Wirkung wie einst der Sparwassertreffer.
Und wenn nicht? Dann gewinnt entweder England im Elfmeterschießen, oder Portugal mit ausschließlichen Ronaldo-Toren, oder Island mit Huh! Huh! Huh! Und Deutschland gewinnt die demütige Erkenntnis, dass mit Slogans und Pomade allein kein Titel zu wiederholen ist. Und demütige Deutsche - das wäre doch auch mal was ganz Neues, nicht nur im Fußball... 

 

16.05.2018: Eine verfahrene Situation

Noch brühwarm ist die Nachricht, die mir heute zwischen die Ohren gekommen ist und die möglicherweise ein brisantes gesellschaftliches Problem für die nächsten Jahre darstellt. Nein, es geht mir nicht um das fragwürdige Fotoshooting zweier deutscher Nationalspieler mit einem möglicherweise menschenrechtsmissachtendem, aus Persönlichkeitsschutzgründen aber nicht namentlich genannten türkischen Politiker.
Es geht um die Mitteilung des Kraftfahrtbundesamtes, dass immer weniger junge FahrschülerInnen ihre Fahrprüfung beim ersten Mal bestehen, und zwar sowohl theoretisch als auch praktisch. Das ist schlimm. Vor allem, wenn man sich das Fahrverhalten derer anschaut, die die Fahrprüfung irgendwann einmal bestanden haben müssen: Da wird lichtgehupt, gecruist, zu schnell, zu langsam oder/und besoffen gefahren, Vorfahrt missachtet und beim Fahren ein Selfie gemacht - und das sind die, die bestanden haben! Wie sollen denn dann erst die rumgurken, die nicht bestanden - ach so, stimmt ja: die dürfen nicht. Noch nicht: Führerscheinprüfungen darf man ja beliebig oft wiederholen, solange der Geldbeutel (von Mama und Papa?!) für die nötigen Gebühren ausreichend bestückt ist.
Die Experten suchen verzweifelt nach Gründen für die Entwicklung, dass im Durchschnitt nahezu 35 % der jungen Fahranfangaspiranten den Traum vom selbständigen Fahren zunächst einmal verschieben muss, weil - Prüfung, ne?! Da die Wissenschaft sich darüber noch nicht einig ist, präsentiere ich hier und nun einige Interpretationen meinerseits:
     1. Einige mutmaßen, dass ein Aspekt der hohen Durchfallquote dem recht hohen Anteil an Migranten geschuldet ist, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind; ob das stimmt, ist mehr als zweifelhaft. Ich jedenfalls erlebe durchaus rüpelhaftes Autofahrverhalten sowohl bei ausländischen als auch bei deutschstämmigen Mitbürgern, die bruchstückhaft der deutschen Sprache, des Tunings und der Rücksichtslosigkeit mächtig sind. Ein ethnischer Zusammenhang scheint mir also eher ausgeschlossen - zumal es Prüfungsfragebögen in verschiedenen Sprachen gibt. Anders ausgedrückt: Schiebt gefälligst nicht immer gleich alles auf die angeblich nicht integrationswilligen Migranten!
     2. Manche munkeln, dass die jungen Menschen von heute zwar digital native, aber ansonsten reality naiv sind; klarer ausgedrückt: Sie wissen, welche Apps und communities gerade auf ihrem Smartphone in Armlängenentfernung aktiv sind, aber für ihre mittelbare Umgebung haben sie keine Wahrnehmung mehr. Kommunikation ist nur noch digital möglich und Realität geht nur virtuell. Verkehr würde sie heillos überfordern... hoffen wir, dass sich dieses Überforderungsempfinden nur auf den Straßenverkehr auswirkt, ansonsten kriegt meine Generation auch noch ein ernstes Rentenversorgungsproblem.
     3. Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen Führerscheinprüfungsversagen und Nicht-Radfahren-können. Diese Vermutung deckt sich mit meiner Beobachtung: Wenn ich sehe, wie viele Schülerinnen weiterführender Schulen täglich von ihren Eltern fast schon in die Schule gefahren werden, damit die Verhätschelten auch nur ja keinen Schritt zu viel gehen müssen, und dass diese Heranwachsenden sich folglich den Herausforderungen des täglichen Straßenverkehrs nicht einmal als fußgehende oder gar fahrradfahrende Wesen stellen müssen, muss man sich über das Versagen bei, zumindest praktischen, Führerscheinprüfungen nicht wirklich wundern. Was ich als Kind erlebe, kann ich später gut in andere alltägliche Herausforderungen transferieren. Was ich nicht erlebe, bereitet mir später unglaubliche Schwierigkeiten. 
Also, Eltern: Verhätschelt Eure Kinder und Jugendlichen nicht! Der Schulweg wird nicht zuletzt wegen mangelnder Selbsterfahrung in dieser Umgebung so gefährlich. Lasst sie den immer gefährlicher werdenden Schulweg, den urban jungle, per Bus, Fahrrad und Pedes erfahren. Das hat viele Vorteile: Ihr habt weniger Stress, Eure Kinder lernen was für's Leben, die Durchfallquote bei der Führerscheinprüfung wird vielleicht sinken und nebenbei steigen auch wieder Realitätssinn und Frustrationstoleranz -
- aber das, liebe Lesenden, sind nochmal ganz andere Themen!

 

19.04.2018: Nicht mein Kollege!

Seit einigen Tagen sind die Preise für die kommerziell erfolgreichsten Musiker 2017 vergeben. Seit ich diese Preisverleihung verfolge, ist noch nie im Umfeld des "Echo" soviel diskutiert und Betroffenheit bekundet worden. Der Grund für diese Reaktionen ist nichts anderes als Antisemitismus! Wer hier von Kunstfreiheit redet, hat nicht verstanden, dass es hier in erster Linie um Kommerz geht - und für kommerziellen Erfolg ist leider nur zu oft jedes Mittel recht! 
Es geht hier vielleicht am ganz rechten Rande um Kunstfreiheit. Offen zur Schau getragene Verachtung und Verhöhnung ist zumindest mit meinem Kunstverständnis nicht vereinbar. Kunst und Musik können Brücken bauen - Farid Bang und Kollegah wollen dies ganz offenbar nicht. Das ist schade und erschreckend! Standen vor Jahren noch Bands vom extrem linken und extrem rechten Rand auf dem sogenannten Index, so fand die Kunstform Gangsta-Rap eine Hintertür. Warum eigentlich? Weil die Welt von heute zu bequem geworden ist? Weil Unzufriedenheit mehr Zuspruch findet als konstruktives Denken? Oder einfach, weil man bodygestählten, eingeölten Jungs, die fette Beats produzieren, jeden Scheiß verzeiht - weil sie ja eigentlich nur spielen wollen?
Es ist höchste Zeit - und ich bin allen Künstlerinnen und Künstlern, die Ihren Echo aus Protest (oder aus Medienwirksamkeit) zurückgegeben haben, sehr dankbar - dass wir wieder lernen zu denken, und zwar kritisch. Vor lauter Übersättigung an Information (und Events) konsumieren wir nur noch, meistens ohne diese Information in einem historischen und/oder ethischen Kontext zu beleuchten. Wir laufen vielmehr Gefahr, durch die ständige Abrufbarkeit von Information unser Wissen und Erinnern verwahrlosen zu lassen. 
Das wäre fatal! Eine Gesellschaft, die nicht aus den Fehlern ihrer Vergangenheit lernt, sondern diese vielmehr zu ignorieren und leugnen beginnt, wird diese Fehler bei nächster Gelegenheit wiederholen. 
Dazu gehört, dass die Zielgruppe derjenigen, die das alles "ja-ey-gar-nisch-so-gemeint-haben-höchstens-fahrlässig-waren", durch Eltern und Lehrer aufgeklärt werden, welche üblen Diskriminierungen sie da eigentlich liken - in der Hoffnung, dass die daraus resultierende Betroffenheit Denkprozesse loslöst. 
Höchste Zeit - lachen kann man nicht darüber!

 

22.03.2018: Gutes Netzwerk, schlechtes Netzwerk

Wie schnell sich die Wahrnehmung in einer Gesellschaft für bestimmte Infrastrukturen doch ändert. Gestern Hopp (nein, nicht der von SAP), morgen Flopp und umgekehrt.
Da wäre zum ersten die Deutsche Bahn AG zu nennen: Immer wieder beliebte Zielscheibe für Spott und Häme, mausert sich das einstige Staatsunternehmen (das sich immer noch zu 100% im Eigentum des Bundes befindet) jedoch in den letzten Monaten geradezu zu einem Mustermodell in Sachen Ökologie, Management und Logistik. Daran mag ein gewisser Richard Lutz nicht unschuldig sein, seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender beim genannten Transportunternehmen. Sprecher der über dreihunderttausend Beschäftigten attestieren dem Sprössling einer Eisenbahnerfamilie (es liegt ihm offenbar im Blut...) einen guten Führungsstil, zudem strebt er die Halbierung des CO2-Ausstoßes der Züge bis 2030 an. Richtig unheimlich wird diese Imageaufwertung der Bahn, wenn man dann noch den Fahrgastverband "pro Bahn" anhört: Sogar dort äußert man sich verhalten positiv über den seit einem Jahr amtierenden Bahnchef - er dürfte damit der erste sein, der vom eher kritischen Verband Lob erhält. Scheinbar verfügt der Mann sowohl über gute Kenntnisse der Materie (als Sohn eines Eisenbahners und einer Sekretärin bei der Bahn nicht unbedingt abwegig), als auch über gute bis sehr gute Fähigkeiten in puncto Kommunikation.
Das Stichwort Kommunikation bringt mich zu meinem Lieblingssozialnetzwerk "Facebook". Tatsächlich scheint es dort ein Leck gegeben zu haben, von wo aus die Daten von ca. 50 Millionen Nutzern an eine obskure Analysefirma geflossen sind. 50 Millionen - das ist eine fünf mit sieben Nullen; mehr Nullen gibt es höchstens aktuell bei meinem Lieblingsverein... Egal! Jene Firma soll diese Daten zugunsten des Wahlkampfs eines politischen Quereinsteigers genutzt haben, der aktuell der Präsident der sogenannten vereinigten Staaten von NRA - nein, Entschuldigung: Amerika - ist. Das wäre natürlich höchst fatal, dass ein börsennotiertes Wirtschaftsunternehmen, ein Global Player, ungewollt einen derartigen Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen würde! Bislang nehmen die globalen Wirtschaftsimperien ja eher gewollt Einfluss auf die Politik, Spielverderber nennen das Lobbyismus, aber das nur am Rande. Hätten Sie gedacht, dass Facebook den Datenschutz nicht so genau nimmt?! Echt?! Ja, verdammt. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern: Zwar dürfen bestimmte Apps, von denen ich keine Ahnung habe, die Daten der Freunde des Nutzers nicht mehr ausspähen, aber trotzdem bleiben Daten und Werbung bei Facebook untrennbar miteinander verbunden. Trotzdem: Facebook ist nicht per se böse (schließlich haben soziale Netzwerke wie Facebook gesellschaftliche Umwälzungsprozesse wie den arabischen Frühling erst möglich gemacht - wenngleich dessen positive Auswirkungen noch sehnlichst und wahrscheinlich sehr lange auf sich warten lassen); nur soll bitte in Zukunft keiner sagen, er hätte nicht gewusst, dass der allzu sorglose Umgang mit den eigenen Daten auch Risiken bergen könnte (der folgende Vergleich mit einer völlig anderen Materie hinkt, aber: in Sachen Ernährung hätte man auch vor Jahren schon darauf kommen können, das Nikotin oder zu viel Zucker nicht gerade gesundheitsförderlich sind...). 
Bleibt am Ende eine Frage: Wenn ich jetzt bei Facebook bin und dort eine Fahrkarte für die Bahn buche - gleicht sich das dann für mein Gewissen aus...?!

10.02.2018: Wir müssen leider (?) draußen bleiben...
... das steht nicht etwa als Hinweis für Hunde an der Eingangstür meines Lieblingsfleischers (dort natürlich auch), nein: Dies ist die Haltung eines aktuell recht erfolgreichen Fußballvereins aus Hessen gegenüber einer Partei, deren Mitglieder möglicherweise rassistische Gedanken hegen.
Im Klartext: Der Präsident der SG Eintracht Frankfurt hat zwei Anträge auf Mitgliedschaft ablehnen lassen, weil die Antragsteller AfD-Mitglieder sind. Spitzzüngig könnte man zusammenfassen: Eintracht gegen Niedertracht; oder auch - wenn man sich die aktuelle Mannschaftsaufstellung der SGE anschaut - Vielfalt gegen Einfalt. Ob die Entscheidung korrekt ist oder nicht, sie verdient zumindest Beachtung. Hier positioniert sich einer gegen eine immer mehr um sich greifende gesellschaftliche Schieflage nach rechts; ob er das Kraft seiner Präsidentschaft überhaupt darf oder nicht, sei mal dahingestellt. Mich beeindruckt dieser Schritt, umso mehr, als dass mir einige Fans der Frankfurter Eintracht in den letzten Jahren durchaus gewaltbereit vorkamen - man erinnere sich nur an den unheilvollen Platzsturm beim letzten Abstieg aus dem Fußballoberhaus 2011; was da auf den Platz stürmte, hatte mit friedlichen Fußballanhängern nicht zu tun. In mir wuselte immer ein Verdacht, dass jene prügelnden und zündelnden Chaoten vielleicht auch gewaltbereit sein könnten. Nun ist es natürlich ein klares Vorurteil meinerseits, dass Gewaltbereitschaft und Rechtsradikalität in irgendeinem Zusammenhang stehen könnten; vor allem in Hessen, wo es doch keine Rechtsextremen gibt... 
Nun also das! Peter Fischer verweigert AfD-Mitgliedern die Mitgliedschaft bei seiner Eintracht. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass der Fußball eine einmalige Chance auf Vereinigung und Verbindung jener Gesellschaftsstrukturen bietet, die sonst nie miteinander in Kontakt kämen. Fußball verbindet - allerdings bleibt die Frage, ob man das um jeden Preis will. Bei aller Toleranz gegenüber einem Menschen, der sich dem Parteiprogramm der AfD hingezogen fühlt: Bisher hat man nahezu ausnahmslos den Eindruck gewinnen müssen, dass diese Partei jedweden Auftritt in der Öffentlichkeit für die Verbreitung ihrer fragwürdigen Thesen und Ideologien benutzt hat ("benutzt" im miesesten Sinne des Wortes). Auch wenn nicht jede/r AfD-Sympathisant/in rassistisch oder extremkonservativ denkt, ist es doch zumindest verwunderlich, dass die Gesellschaft von eben diesen gemäßigten AfD-lern nie etwas zu hören oder zu sehen bekommt; da muss man sich ja schon fast die Frage stellen, ob sie in dieser Partei und deren Umfeld eine Art Yeti-Dasein fristen (den Yeti soll es ja auch geben, nur den Beweis seiner Existenz hat noch niemand erbracht aber-wen-interessiert-dieses-Detail-in-postfaktischen-Zeiten?). 
Nun hat also ein Fußballvereinspräsident mit Ausgrenzung reagiert - auf zwei Mitglieder einer ausgrenzenden Partei. Nun, rechtes Gedankengut mit Hilfe eines bloßen Beitrittsverbot auszumerzen, wird nicht funktionieren. Ich persönlich glaube auch nicht, dass man rechtskonservatives Denken per se verbieten darf: Dass die Gedanken frei sind, ist zwar meiner Meinung eher liberal-pluralistisch denn reaktionär, aber auch zutiefst konservativistische Gedanken haben eine Berechtigung, solange sie nicht im Widerspruch zum Grundgesetz und den Grundrechten stehen. Sie werden erst dann zu einem Problem, wenn sie allen anderen, eigentlich freien, Gedanken ihre braune Kapuze überziehen wollen. Genau hier liegt der angeschossene Hase im braunen Pfeffer: Bestimmte Politiker wollen ihre Ideen mithilfe von Ängsten und Hass durchsetzen (wahrscheinlich, weil sie wissen, dass ihre Ideen ansonsten kaum auf offene Ohren stoßen). Dies ist  kein Argumentieren, sondern bloßes Agitieren - ein Verhalten, welches man in erster Linie aus populistischen Parteien und ihrem Umfeld kennt. Wenn Herr Fischer einer weiteren gesellschaftlichen Verunsicherung entgegenwirken wollte, dann hat er mit seinem medial wirksamen Statement vor allem eines bewiesen: Zivilcourage! Dass aus diesem Statement vielleicht eine neue Diskussion aufflammt, ist unserer durch GroKo-Verhandlungen politisch nahezu paralysierten Gesellschaft eigentlich nur zu wünschen.
Und schließlich und endlich: Vielleicht ist es für AfD-Mitglieder höchst interessant, am eigenen Leib zu erfahren, wie es sich anfühlt, nicht willkommen zu sein. Da bleibt zu hoffen, dass sie die Entscheidung nicht für ihre "Wir-sind-ja-so-arme-Opfer"-Masche ausschlachtet, oder, falls sie es doch tut, dass immer mehr Menschen in diesem Land diese Masche durchschauen; Fußball erfreut sich ja durchaus einer großen Beliebtheit und Aufmerksamkeit... 
 

03.01.2018: Ich hab auch einen, und der ist viel größer

Ist das nicht eine nette Begrüßung zum neuen Jahr?! Und wer hat sie in die Welt geschickt? Wenn diese Frage zu schwierig ist, stelle ich sie nochmal, etwas vereinfacht: Wer hat diese Begrüßung in die Welt gezwitschert - genauer: getwittert? Ja, jetzt wissen es alle! Der Staatenlenker "formerly known as" Immobilienmogul hat damit unlängst auf die Feststellung reagiert, dass der nordkoreanische geliebte Führer seinen immer auf dem Schreibtisch liegen hat. Bei dem (zum Glück nur) verbalen Schlagabtausch ruft der Begriff "unlängst" bei mir übrigens ein Schmunzeln hervor, als Schelm, der nichts Böses dabei denkt. Mich erinnern diese gegenseitigen Drohgebärden nämlich an die Vergleiche, die pubertierende Jungens an der Pieselrinne anstellen - Sie wissen schon: Welcher ist länger?!
Obwohl die Gesamtsituation zerfahren bis bedrohlich ist, habe ich laut aufgelacht. Der eine droht mit einem Atomsprengkopfknopf, und der andere reagiert damit, dass sein Atomsprengkopfknopf größer und mächtiger ist. Das nämlich sind die Dinger, die die beiden knallharten Jungs auf dem Schreibtisch liegen haben, und ich werde mich nicht in Mutmaßungen, ob sie damit etwas kompensieren müssen, auslassen. Das sollen entweder Psychoanalytiker oder die Mächtigen selbst unter sich ausmachen, aber - bitte! - ohne dabei gleich Teile der unbeteiligten Welt in atomaren Schutt und Asche zu legen. 
Es ist schon grotesk: Das neue Jahr ist gerade mal 72 Stunden jung, und der oberste Befehlshaber der US-amerikanischen Streitkräfte hat nichts besseres zu tun, als mit geopolitischer Geometrie eine weitere Achse des Bösen zu definieren: Palästina (ok, das war noch im Dezember), Iran, Pakistan (die pakistanische Regierung hat den ersten Trump'schen Wut-Tweet 2018 kassiert - meine Gratulation an dieser Stelle!) und Nordkorea. Damit hat Trump nicht nur klar sein Feindbild präsentiert, er hat auch eine gestochen scharfe Achse in Form einer Gerade über einen Teil des Globus gezeichnet. Dass auf dieser Geraden bzw. Achse auch noch China liegt - geschenkt! Manch böser Geist hätte D.J. Trump die Lösung einer kniffligen, geometrischen Aufgabe (die ihm zwar niemand gestellt hat, aber was soll's?!) gar nicht zugetraut.
Und genau darin liegt die Krux: Donald Trump wird weltweit gerne auf seine Twitteraktivitäten reduziert, bleibt allerdings Staatsoberhaupt der USA und damit einer der mächtigsten, wenn nicht gar der mächtigste Politiker, der Welt. Und ich bin mir sicher, dass nicht wenige Staatsoberhäupter, die regelmäßig ihren diplomatischen Kopf über ihn schütteln, insgeheim gar nicht so unglücklich über dessen Poltereien sind. Sei es, weil diese Poltereien in der weltweit wohl größten diplomatischen Krise seit Beginn des kalten Krieges der Szenerie etwas (gewollt oder ungewollt) zynisches verleihen, sei es, weil "da endlich mal wieder einer Tacheles redet" - und der dann im Nachhinein als inkompetenten Sündenbock einen traurigen Platz in den Geschichtsbüchern erhalten haben wird.
Es ist ein fataler Fehler, Politikern, die von Diplomatie, oder Menschenrechten, oder internationalen Abkommen (, oder all dem) nicht viel halten, automatisch Intelligenzminderung oder Dummheit zu unterstellen. Sie haben gewiss höhere Bildung genossen und gleichzeitig im Leben beträchtliche Erfahrungen in Sachen Durchsetzungsvermögen machen dürfen. Diese und deren Spielchen zu verharmlosen, erinnert eher an das Pfeifen im Walde - mit Realität hat diese Einschätzung wenig zu tun. Die Realität ist eher die, dass wir in Zukunft wieder vermehrt mit brachialen Drohgebärden und unvorhersehbaren Übergriffen leben müssen, nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch im Alltag, wie die jüngsten gewalttätigen Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst an Silvester traurig darstellen. Die Umgangsformen sind rauher geworden - das macht auch vor Politik nicht halt.
Was also sollten wir tun? Zeigen, dass es anders geht! Manchmal helfen Unvoreingenommenheit, Humor und Besinnung (zum Beispiel auf eigene Stärken).
Dann muss Mann auch nicht gleich mit dem Hammer schwingen - oder sich in missverständlichen Größenvergleichen üben... 
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein friedliches und segensreiches Jahr 2018!


 

 Alte Aufschnapper erhältlich nach freundlicher Anfrage bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!